Beim Aachener Spezialisten für Heimvernetzung Devolo steht eine grosse Restrukturierung an. Das 2002 durch einen Management-Buyout aus der längst untergegangenen Elsa AG entstandene Unternehmen ist in eine finanzielle Schieflage geraten. Deshalb, so teilt das Unternehmen mit, habe man eine Restrukturierung im Rahmen eines sogenannten Schutzschirmverfahrens eingeleitet.
Bestehendes Management erarbeitet Sanierungsplan
Wenn das Gericht zustimmt, bleibt die Unternehmensführung bei der bestehenden Geschäftsleitung des Unternehmens, welche einen Plan zur Sanierung ausarbeiten soll. Bei Devolo soll dies in Abstimmung mit Stakeholdern und Beratern in den kommenden Monaten geschehen. Ausserdem wurde ein externer Sachwalter eingesetzt, der die Neuaufstellung im Interesse der Gläubiger überwachen soll. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rüdiger Weiss von der Kanzlei WallnerWeiss bestellt.
Der Geschäftsbetrieb laufe während des gesamten Restrukturierungsprozesses in vollem Umfang weiter, verspricht Devolo. Alle Leistungen würden unverändert erbracht und die Gehälter der Mitarbeiter würden weiter gezahlt. Geplant sei, die Sanierung innert weniger Monate abzuschliessen.
Zu hohe Lagerbestände wegen Nachfragerückgang
Eigentlich boomt ja der Markt für Heim-IT und -Vernetzung weiterhin. Deshalb, so die Devolo-Verantwortlichen, gebe es eine grosse Hoffnung, dass die Sanierung gelingen kann. Dass es zur Krise bei Devolo kommen konnte, erklärt das Unternehmen so: Die Hauptursache sei die fortdauernde Corona-Situation. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Pandemiejahr 2020 hatte man im Frühling 2021 weitere Öffnungen im Einzelhandel erwartet und war zunächst von einer weiteren positiven Absatzentwicklung ausgegangen. Weitere pandemiebedingte Schliessungen im Handel und ein verändertes Käuferverhalten speziell auf dem deutschen Markt hätten dann in der Realität zu einem Nachfragerückgang ab dem zweiten Quartal 2021 geführt.
Gleichzeitig seien jedoch grosse Mengen an Waren aus den Produktionsstätten in Fernost eingegangen. Aufgrund des Mangels an Bauteilen habe man frühzeitig Bestellungen tätigen müssen, was Anfang 2022 zu einem sehr hohen Lagerbestand geführt habe. Weil so viel Geld gebunden wurde, habe dies letztendlich zu einem Liquiditätsengpass geführt. Hinzu sei noch gekommen, dass Devolo 2021 einige erwartete Umsätze mit Netzbetreibern im Ausland und im Projektgeschäft nicht realisieren konnte, weil einige der benötigten Produkte aufgrund des Chipmangels nicht verfügbar waren.