In der abschliessenden Diskussionsrunde gab es auch Kritik: Hier von Swico-Vorstand Alain Gut wegen gekürzter Budgets für Innosuisse.
Das erste Swiss Software Festival brachte 500 Branchenexpertinnen und Experten zusammen, um über die Zukunft der Softwareindustrie zu diskutieren.
Das erste Swiss Software Festival im Uptown Basel brachte die hiesige Tech-Branche zusammen, um über Veränderungen in der Softwareentwicklung zu diskutieren. Dabei ging es um eine ganze Palette an Themen: von Cloud und Digital Experience über Cybersecurity und Quantencomputing hin zu Künstlicher Intelligenz und zur Frage der digitalen Souveränität.
Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Softwareentwicklung standen im Zentrum der Eröffnungskeynote von Adnovum-CTO Beat Fluri. Die Softwarebranche konzentriere sich derzeit zu stark auf die KI-gestützte Code-Generierung und übersehe das Wesentliche. "Produktivität entsteht nicht durch mehr Code", so Fluri vor den 500 Besucherinnen und Besuchern. Mit KI könne zwar schneller Code erstellt werden, aber jemand müsse diesen auch überprüfen. Der Code-Review werde zum neuen Flaschenhals, so Fluri. "Wenn Teams plötzlich dreimal so viel Code generieren können, entstehen massive Rückstaus bei der Qualitätskontrolle."
Es brauche ein Umdenken, sagte auch Egle Bronzini von Roche, die über 1000 Software-Ingenieure in der Schweiz verantwortet. "Wir bewegen uns weg vom traditionellen Code-Schreiben hin zu einer Rolle des Orchestrators und Reviewers." Es sei wichtig dass sich Mitarbeitende deshalb laufend weiterbilden. Anpassbarkeit und kontinuierliches Lernen würden zu den wichtigsten Eigenschaften der Zukunft.
Wozu überhaupt noch ein User Interface?
Künstliche Intelligenz findet ihren Weg aber nicht nur in die Softwareentwicklung, sondern auch in die Produkte selbst. "Der Nutzer will eine Aufgabe erledigen, nicht lernen, eine Software zu bedienen", sagte Claudio Hintermann, Co-CEO und Mitgründer von Abacus Research. Anstatt Schulungen für ihre Business-Software absolvieren oder unzählige Shortcuts lernen zu müssen, könnten die Anwender doch einfach mit ihrem Programm sprechen. Mit Eingaben wie: "Zeige mir die Umsätze vom letzten Quartal" oder "Erstelle ein Angebot für die Anfrage von gestern" werde Software in Zukunft die gewünschten Ergebnisse liefern.
"Wozu brauchen wir überhaupt noch ein User Interface?", fragte Hintermann. "Ich will nicht mit einer Oberfläche, sondern dem System interagieren." Dadurch verschwinde auch die Komplexität der Anwendungen, glaubt der Abacus-Co-Chef.
Claudio Hintermann. Foto: Swiss Made Software
An seiner Keynote verwies Hintermann auch auf die Kosten, die mit den KI-gestützten Chatanfragen einhergehen. Diese könne man nicht auf die Kunden abwälzen. Hier hätten Small Language Models, wie sie Artificialy bietet, einen grossen Vorteil gegenüber den Large Language Models.
Digitale Souveränität im Fokus
In den vergangenen Monaten intensivierten sich in der Schweiz die Diskussionen rund um die Frage der digitalen Souveränität. Marcel Salathé betonte die ernüchternde Realität: "Technologische KI-Souveränität ist für ein kleines Land wie die Schweiz weder möglich noch ratsam." Allein beispielsweise, wenn es um Chips geht, werde die Schweiz immer vom Ausland abhängig sein. Stattdessen solle man sich hierzulande darauf fokussieren, die besten Services auf diesen bestehenden Technologien aufzubauen.
Und das könne man nur mit den richtigen Talenten, fügte der Co-Direktor des EPFL AI Centers an. Die Hochschulen seien international unter den Besten, es werde viel in Forschung investiert und es gebe eine lebendige Startup-Landschaft. Die Politik müsse sicherstellen, dass dies auch so bleibe. Safia Agueni von Women in Tech verwies dabei auch auf die soziale Dimension: "Wir brauchen aussergewöhnliche Talente." Und das bedeutet auch, die "andere" Hälfte der Bevölkerung, die Frauen, voll einzubeziehen.
Gerhard Andrey. Foto: Swiss Made Software
Einen Teil der Antwort auf die Frage der digitalen Souveränität sieht Nationalrat Gerhard Andrey im Embag, dem Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben. "Public Money, Public Code": Seit 2024 muss Software der öffentlichen Verwaltung als Open Source publiziert und gewartet werden. Dies könne eine Chance für die lokalen Unternehmen sein. Ausserdem gebe allein die Bundesverwaltung jährlich 1,5 Milliarden Franken für digitale Projekte aus. "Dieser Markt sollte von der Schweizer Gemeinschaft bedient werden", so Andrey.
Nicht nur die Frage der digitalen Souveränität wird die Branche weiterhin beschäftigen, wie die Diskussionen rund um KI, Quantensicherheit oder User Experience am ersten Swiss Software Festival gezeigt haben.
Interessenbindung: Inside IT ist Medienpartner des Swiss Software Festivals.