Educase: Neue Vorwürfe in Luzern

21. März 2022, 12:53
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Foto: Matthew Henry / Burst

Der Betrieb der Schulsoftware wurde offiziell eingestellt. Gestritten wird jetzt um die Datenherausgabe. Auch der Kantonsrat beschäftigt sich mit dem gescheiterten Projekt.

Am 11. März hatte die Firma Base-Net Education den Betrieb der Schuladministrationssoftware per sofort eingestellt. "Der Kanton und der Verband Luzerner Gemeinden (VLG) haben Leistungen, die auf vertraglicher Grundlage bezogen wurden, nicht bezahlt. Es handelt sich dabei um vom Kanton und VLG anerkannte und nicht bestrittene, vor Beendigung des Projektes bezogene Leistungen", erklärte Base-Net zur Begründung.
Am vergangenen Freitag ist nun auch das offizielle Aus für das umstrittene Projekt und die Software erfolgt, die bis dahin in 64 Gemeinden im Einsatz war. Der Kanton Luzern hatte die Einstellung der Educase-Systeme per 18. März gefordert. "Entsprechend werden wir den Betrieb der Systeme heute Abend (18.3.) definitiv einstellen. Die unbestrittenen geschuldeten Zahlungen seitens des Kantons und des VLG sind weiterhin ausstehend", schreibt uns Base-Net.

Kanton stimmt Verfahren zur Datenherausgabe nicht zu

Neben den Zahlungen ist jetzt die Herausgabe der Daten an die bisherigen Educase-Gemeinden ein weiterer Streitpunkt zwischen der Entwicklerfirma und dem Kanton und VLG. "Die Datenherausgabe erfordert aufgrund der Verträge und zur Wahrung des Datenschutzes eine Aufteilung der Daten nach Gemeinden. Die Base-Net Education AG hat ein Vorgehen für die Aufteilung der Daten erarbeitet und vorgeschlagen. Mit diesem datenschutzrechtlich konformen Vorgehen hätten die Daten innert kurzer Frist aufgeteilt und herausgegeben werden können", so die Firma.
Der Kanton Luzern und der VLG hätten "leider" die Zustimmung zu diesem Vorgehen ohne Begründung verweigert. "Stattdessen muss jetzt ein deutlich aufwendigeres Verfahren umgesetzt werden, das die Datenherausgabe verzögert." Base-Net bedauere, dass es zu dieser Verzögerung komme. "Einen schnelleren Weg gibt es leider nicht, solange der Kanton und der VLG auf ihrem Standpunkt beharren. Für eine pragmatische Lösung sind wir nach wie vor offen."
Auf Anfrage von insidet-it.ch will die Bildungsdirektion die Vorwürfe nicht kommentieren. "Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Zudem wollen wir abwarten, welche Entscheide der Kantonsrat zum Projekt fällt", erklärt die Medienstelle.

Wie lief das Controlling? Was kostete die Mediation?

Dort wurde an einer Sitzung von heute, 21. März, ein Postulat mit 108 zu 1 Stimme für dringlich erklärt. Darin fragt Gisela Widmer Reichlin (SP) die Regierung unter anderem: "Was war das Resultat der Teilabnahme durch den Kanton?" Weiter sei eine Mediation eingesetzt worden: "Welche Kosten fielen an; wer trägt diese? Was erhoffte man sich vom Mediationsverfahren?"
Zudem möchte sie Details zur Projektentwicklung und dem Controlling erfahren. Auch, wie ein Nachfolgeprojekt aussehen könnte. Ob hier die Software "Schulnetz" der Luzerner Berufsschulen und Gymnasien nutzbar wäre oder ob der Einsatz von Scolaris, das bereits von mehreren Kantonen und Städten verwendet wird, geprüft werde.
Nicht als dringlich will der Kantonsrat hingegen die mögliche Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zu Educase behandeln. Ein entsprechender Vorstoss der GLP wurde abgelehnt. Auch eine Motion mit der Forderung nach einer externen Evaluierung des gescheiterten Projektes wurde nicht als dringlich beurteilt.
Educase und das ebenfalls problembehaftete Schulprojekt "Base4Kids" in Bern sind auch Thema in unserem aktuellen Podcast.


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