Es ist ein gigantisches Vorhaben: Für über 3 Milliarden Franken wollten Armee und Bundesverwaltung bis 2023 drei Rechenzentren und eine neue Armee-Kommunikation aus dem Boden stampfen. Doch das Projekt "Fitania" stand von Beginn an unter einem schlechten Stern. Der Abschluss wurde mehrmals verzögert. Zwei Rechenzentren sind zwar seit über 2 Jahren im Betrieb, das dritte ist aber noch in Planung und soll erst 2030 fertiggestellt werden.
Allein für die Rechenzentren sind rund 1,2 Milliarden Franken vorgesehen. Diesen Teil des Gesamtprojekts hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im Herbst 2021 besonders unter die Lupe genommen. Und sie stellt durchweg gute Noten aus: "Das Projektmanagement ist zielführend aufgestellt und die Termine sowie Kosten konnten weitgehend eingehalten werden", heisst es zusammenfassend im nun veröffentlichten Bericht. Auch die Gebäudeautomation und die Plattform für die Digitalisierung seien auf gutem Wege. Zudem seien die Kritikpunkte der EFK zum grössten Teil erfüllt worden. Das ist aber nur die halbe Geschichte.
Kosten für "Kastro II" sind noch unklar
Von den Rechenzentren "Fundament", "Campus" und "Kastro II", die die dezentrale Bundes-RZ zusammenfassen sollen, sind die ersten beiden produktiv. Für letzteres steht erst noch eine Kostenabschätzung an. "Kastro II" hätte im Berner Oberland in einem ehemaligen Munitionslager aus dem Zweiten Weltkrieg realisiert werden sollen. 2018 stellte das VBS aber fest, dass die Explosionsgefahr den Bau des RZ verunmöglicht, 1947 hatten dort nämlich drei grosse Explosionen etwa die Hälfte der eingelagerten 7000 Tonnen Munition vernichtet, der Rest liegt noch in den eingestürzten Anlageteilen und im Schutt davor.
Die offene Baustelle "Kastro II" war nicht Gegenstand der positiven EFK-Notengebung. Im Bericht heisst es aber, die bereits betriebene Infrastruktur reiche aus, um die Rückstände zu überbrücken. Die neuen RZ waren zum Prüfzeitpunkt zu 20% ausgelastet, dies soll bis Ende 2024 auf rund 50% ausgebaut werden, schätzt die Finanzkontrolle. Allerdings wurde die Personalsituation nach wie vor als kritisch eingeschätzt. Zugleich war im letzten Herbst bekannt geworden, dass
im IT-Budget der Armee ein riesiges Loch klafft.
"Terminplan plausibel": Zentrale Plattform für die Digitalisierung
Dies hatte auch die Plattform für die Digitalisierung gefährdet, die vom IT-Dienstleister des Bundes (FUB) verantwortet wird. Sollte diese nicht wie geplant fertig sein, hätte das ernste Konsequenzen. Da weitere Projekte des VBS damit nicht in einer zentralen Plattform aufgesetzt werden könnten, würde dies weitere Projekte gefährden, heisst es von der EFK im Bericht en passant. Der Terminplan sehe indes plausibel aus, so die Finanzkontrolle.
Zugleich sei aber die Ressourcenfrage nach wie vor unbeantwortet und die
Transformation eines Teils des FUB in das Kommando Cyber würde die Lage komplexer machen. Die meisten Empfehlungen der EFK wurden zwar bereits umgesetzt, die Entwicklung von Kastro II und der zentralen Plattform werden aber weiter beobachtet und geprüft werden müssen.