Es ist eine dramatische Wendung in einem seit Monaten andauernden Übernahme-Krimi: Elon Musk will Twitter nun doch nicht mehr übernehmen und hat die Kaufvereinbarung platzen lassen.
In einem am Freitag, 8. Juli, von der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Schreiben werfen Musks Anwälte Twitter vor, gegen die im April besiegelten Übernahmevereinbarung verstossen und "falsche und irreführende" Angaben gemacht zu haben.
Der Social-Media-Konzern habe ihm nicht alle angeforderten Informationen zu Spam- oder Fake-Konten bei Twitter übergeben, schreiben die Anwälte weiter. Musk mache deswegen von seinem Recht Gebrauch,
die 44 Milliarden Dollar schwere Abmachung zu "kündigen" und das Kaufvorhaben "aufzugeben".
Twitter will Übernahme gerichtlich erzwingen
Twitter kündigte umgehend an, vor Gericht ziehen und Musk mit juristischen Mitteln zu einem Vollzug des Kaufs zwingen zu wollen. Twitter-Verwaltungsratschef Bret Taylor erklärte, das Unternehmen wolle "die Transaktion zu dem Preis und zu den Bedingungen, die mit Elon Musk vereinbart wurden, abschliessen". Der Twitter-Verwaltungsrat werde deswegen rechtliche Schritte einleiten, um den Kauf durchzusetzen. Taylor zeigte sich "zuversichtlich", vor Gericht zu gewinnen. Wie 'Reuters' berichtet, hat Twitter dafür die Anwaltskanzlei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz LLP engagiert. Musk selbst findet das offenbar amüsant; zumindest lässt ein
von ihm veröffentlichtes Meme darauf schliessen.
Die sich abzeichnenden juristischen Auseinandersetzungen könnten langwierig und sehr teuer werden. Die zwischen beiden Seiten getroffene Vereinbarung sieht eine Entschädigung von bis zu einer Milliarde Dollar vor, wenn sich eine Partei vom Kauf zurückzieht.
Die Analystin Carolina Milanesi warnte gegenüber der Nachrichtenagentur 'AFP', für Twitter wäre es jetzt "das Schlimmste", die Übernahmevereinbarung gegen Musks Willen durchzudrücken. "Sie würden sich mit einem Besitzer wiederfinden, der das Unternehmen nicht will, und mit viel Groll."