Anfang März 2024 ist in der EU
der Digital Markets Act (DMA) in Kraft getreten. Eine seiner Regeln ist, dass die beherrschenden Anbieter von Internet-Plattformen diese für kleinere Konkurrenten öffnen müssen. Meta leistete zunächst einigen Wiederstand, öffnete letztlich seinen Chat-Dienst Whatsapp im Herbst 2025 für Drittanbieter, so dass nun theoretisch zwischen Whatsapp und anderen Messaging-Diensten Nachrichten ausgetauscht werden können.
Die Ziele des DMA seien durchaus zu begrüssen, schreibt Threema, trotzdem sehe man aus verschiedenen Gründen von einer Interoperabilität mit Whatsapp ab.
Gestärkte statt geschwächte Monopolstellung?
Interoperabilität mit Whatsapp würde beispielsweise gar nicht unbedingt zu mehr Vielfalt führen, glaubt Threema. Es könnte auch das Gegenteil passieren: Wenn man direkt von Whatsapp aus mit seinen Kontakten bei Threema kommunizieren könnte, verschwinde der Anreiz, Threema oder eine andere Chat-App herunterzuladen und zu verwenden.
Wenn dadurch die Threema-App nicht mehr heruntergeladen würde, würde eine Einnahmequelle weg. Dies sei insbesondere bei einem Geschäftsmodell wie dem von Threema problematisch. Der Service finanziere sich nicht durch Spenden oder der Monetarisierung von Nutzerdaten, sondern durch den Verkauf der App. Entsprechend sei Threema auf die Einnahmen aus den App-Käufen angewiesen.
Aufweichung der Privatsphäre
Interoperabilität sei zudem nicht umsetzbar, ohne die Privatsphäre der Nutzerinnen und Nutzer zu gefährden, weil sich die meisten Apps in der Implementierung wesentlicher Konzepte und Schutzmechanismen grundlegend unterscheiden würden. Beispielsweise bei der Identifikation der Nutzenden: Threema verwendet eine anonyme ID, Whatsapp bis anhin die Handynummer. Interoperabilität würde bedeuten, dass man sich bezüglich Datenschutzniveau am kleinsten gemeinsamen Nenner orientieren müsste.
Threema würde zudem auch nicht genau wissen können, was mit den Nutzerdaten geschieht, wenn sie an Whatsapp übertragen werden.
Technischer Aufwand
Zuletzt führt Threema auch noch an, dass die Umsetzung von Interoperabilität erhebliche technische Herausforderungen schaffen und "unverhältnismässig viel Ressourcen" kosten würde. Dies, weil Whatsapp nicht alle Protokolle vorgebe, und Drittanbieter quasi eine Light-Version von Metas Chat-App in ihr bestehendes System integrieren müssten. Wie die Umsetzung nicht nur für Einzelchats, sondern auch für Gruppen oder bei Audio/Video-Anrufen erfolgen sollte, sei zudem noch völlig unklar.