Die Schweiz verfügt künftig über einen der modernsten Quantencomputer von IBM weltweit. Dieser soll Forschung und Ausbildung voranbringen.
Die ETH Zürich und IBM haben die Installation eines IBM Quantum System Two am Nationalen Supercomputing Center (CSCS) in Lugano bekanntgegeben. Das erste IBM Quantum System Two der Schweiz, das mit dem neuesten IBM-Nighthawk-Chip ausgestattet sein wird, gehört zu den fortschrittlichsten Quantencomputern weltweit. Möglich wurde dies durch ein Offset-Abkommen zwischen Lockheed Martin und Armasuisse, dem Bundesamt für Rüstung der Schweiz.
ETH-Präsident Joël Mesot betont die Chancen des neuen Quantencomputers: "Die Schweiz erhält Zugang zu einer essenziellen Forschungsinfrastruktur, die es uns ermöglicht, die Erforschung dieser Zukunftstechnologie weiter voranzutreiben und die dazu notwendigen Talente auszubilden."
Die Hochschule koordiniert die Nutzung des Quantencomputers und stellt diesen Forschenden des ETH-Bereichs, weiterer Schweizer Hochschulen und ausgewählter Unternehmen zur Verfügung. "Wir freuen uns, der ETH Zürich einen unserer fortschrittlichsten Quantencomputer zur Verfügung zu stellen und so Forschungs- und Industriepartner zu unterstützen. Damit wollen wir gemeinsam Quantenkompetenzen aufbauen und Innovation und Forschung in der Schweiz weiter vorantreiben", sagt Katharina Göppinger, Country General Manager IBM Schweiz.
Vom Super- zum Quantencomputing-Zentrum
Ein IBM Quantum Nighthawk Prozessor. Foto: IBM
Der neue Quantencomputer wird am CSCS in unmittelbarer Nähe zum KI-fähigen Supercomputer Alps aufgebaut. "Bei der Simulation komplexer quantenmechanischer Prozesse stossen klassische Computer an Grenzen. Hier eröffnet Quantum Computing neue Möglichkeiten", erklärt Renato Renner, Professor für Theoretische Physik an der ETH Zürich. Die Verfügbarkeit beider Systeme eröffnet insbesondere in Physik und Chemie neue Perspektiven. Forschende können damit das Verhalten komplexer Materialien, Moleküle und chemischer Prozesse untersuchen, die sich mit herkömmlichen Rechnern nur schwer simulieren lassen. Langfristig könnten daraus Fortschritte bei der Entwicklung neuer Materialien, effizienterer industrieller Verfahren und energieeffizienterer Technologien entstehen.
Der neue Quantencomputer ermöglicht zudem die Ausbildung einer neuen Generation von Wissenschaftlerinnen und Ingenieuren. "Wer Quantencomputer programmieren will, muss sowohl Informatik beherrschen als auch Quantenphysik verstehen", erklärt Renner. "Mit direktem Zugang zu einem der fortschrittlichsten Quantencomputer werden sich nun deutlich mehr Studierende und Forschende einfacher mit dieser Technologie beschäftigen können."
Die Inbetriebnahme des IBM Quantum System Two am CSCS ist Ende 2026 geplant. Während des Installationsprozesses und über die gesamte Laufzeit der Vereinbarung hinweg haben Nutzende der ETH Zürich zudem Zugriff auf IBM-Quantencomputer und andere Ressourcen, die über die Cloud verfügbar sind. IBM installiert, wartet und betreibt den Quantencomputer. Die ETH und das CSCS stellen die technische Infrastruktur wie Stromversorgung, Kühlung und Sicherheit bereit und verantworten die Zuteilung der verfügbaren Rechenkapazitäten. Die Zusammenarbeit ist zunächst bis 2029 angelegt und soll Forschung, Ausbildung und Innovationsprojekte im Bereich Quantum Computing fördern.