Wie wir exklusiv herausgefunden haben, ist es beim IBM-Spinoff Kyndryl in der Schweiz zu einem Wechsel an der Führungsspitze gekommen. Maria Kirschner, bereits Managing Director für Österreich, hat per 1. April 2023 die Position von Olivier Vareilhes übernommen. Dieser ist gemäss seinem Linkedin-Profil neu als Senior Director Sales beim Security-Anbieter Kudelski angestellt.
Kirschner arbeitete vor der Abspaltung bereits 25 Jahre für IBM und verfügt über einen Master-Abschluss in Steuerrecht und Wirtschaftsinformatik sowie einen Abschluss eines internationalen Projektmanagment Lehrgangs der Wirtschaftsuniversität Wien.
Im Interview mit Inside-it.ch erklärt die neue Schweiz-Chefin des Managed-Infrastructure-Anbieters, was sie an der Schweizer Kundschaft besonders schätzt, wo sie das grösste Wachstumspotenzial für ihr Unternehmen sieht und welche Massnahmen Kyndryl gegen den Fachkräftemangel ergreift.
Kyndryl hat soeben sein erstes volles Geschäftsjahr hinter sich gebracht. Nun übernehmen Sie die Leitung der Schweizer Niederlassung. Welche Herausforderungen sehen Sie?
Im IT-Bereich stehen gewaltige Herausforderungen an. Die Digitalisierung findet statt und viele Unternehmen glauben, dass sie damit einen Innovationsschub erreichen können. Die Technologie schreitet in einer raschen Geschwindigkeit voran und die darunterliegende Infrastruktur wird immer wichtiger.
In vielen Gesprächen auf dem C-Level wird über Effizienz, darüber, wie die Geschwindigkeit am Markt beibehalten werden kann oder wie man bei Innovationen im Rahmen der Digitalisierung vorgeht, gesprochen. Es gibt unzählige Themen, die sehr vielschichtig sind.
Was sind die ersten Schritte nach ihrem Stellenantritt?
Als Erstes werde ich mich mit unseren Kunden und Partnern in Verbindung setzen. Sie zählen zusammen mit den Mitarbeitenden vor Ort zu den wichtigsten Prioritäten. Gerade das Partner-Ökosystem ist wichtig für uns, weil wir Technologie-agnostisch sind. Das heisst, wir entscheiden gemeinsam mit dem Kunden, was die beste Lösung und die beste Technologie ist.
Was hat Sie motiviert, diese Stelle zusätzlich zum Chefposten in Österreich zu übernehmen?
Trotz mancher Gemeinsamkeiten bestehen zwischen den beiden Ländern auch Unterschiede. Die Schweiz ist etwa im Finanz- und Gesundheitsbereich viel stärker. In Österreich ist Kyndryl dagegen eher in der Industrie und im Government-Bereich verankert. Das heisst, es gibt für mich auch einiges in der Breite dazuzulernen, aber auch viele Themen, die in der Zukunft noch abgedeckt werden können.
Was würden Sie sagen, zeichnet die Schweizer Kundschaft besonders aus?
Ich würde sagen, vertrauensvolle Partnerschaften. Wenn man die über die Jahre einmal aufgebaut hat, werden sie gepflegt. Wir arbeiten vor Ort Schulter an Schulter mit dem Kunden zusammen an Lösungen. Dieses starke Vertrauen, aber auch die Wertschätzung und der Respekt, den sich die Fachleute gegenseitig entgegenbringen, sind Herausstellungsmerkmale, die ich in der Schweiz sehr stark sehe.
Was ich ebenfalls hervorheben möchte, ist der starke Fokus auf Innovation. Immer wird geschaut, wo das nächste Level der Innovation erreicht werden kann. Und dafür braucht man einfach die digitale Transformation.
Welche Branchen sind für Kyndryl in der Schweiz besonders relevant?
Wir sind als Unternehmen so aufgestellt, dass wir in allen Industrien arbeiten können. Gerade auch, weil wir von der Infrastrukturseite herkommen und zusammen mit unseren Enterprise-Architekten eine End-to-End-Sicht auf die IT von Unternehmen abbilden.
Zusammen mit meinem Team werde ich mir aber insbesondere auch den Industrie- und den Government-Sektor in der Schweiz anschauen, weil wir dort sehr grosse Erfahrungen in Österreich gesammelt haben. Aber grundsätzlich sind für uns alle Sektoren relevant.
In der Schweiz gibt es auch viele Bereiche, die stark reguliert sind. Ich denke an den Finanzmarkt, die Gesundheitsbranche oder die Pharmaindustrie. Hinter all diesen Bereichen stehen in der Schweiz starke Regularien und auch notwendige gesetzliche Rahmenbedingungen. Wir stehen dafür, dass wir hier in der Schweiz Fachpersonen vor Ort haben, aber auch jederzeit auf unsere weltweiten Spezialisten-Pools zugreifen können.
Sehen Sie in diesen Bereichen auch das grösste Wachstumspotenzial für Kyndryl in der Schweiz?
Ich glaube, in den regulierten Bereichen ist ein ganz starkes Wachstum möglich. Aber auch in den verschiedenen Daten-Management-Bereichen und dem Security-Bereich sehe ich grosses Potenzial. Gerade Security – wieder ein regulierter Bereich – ist derzeit in allen Industrien ein grosses Thema. Gerade deshalb ist auch die End-to-End-Sicht auf ein Unternehmen so wichtig.
Dabei ist Security und Resilienz für mich kein reines IT-Thema. Für mich müssen sowohl die Menschen als auch die Enduser und das Business mitgedacht werden. Gerade bei der Resilienz geht es ja darum, wie ich ein Unternehmen widerstandsfähiger machen kann.
Wir wissen nicht, was um die Ecke lauert. Keiner hätte vor 4 Jahren an Covid gedacht. Unternehmen müssen sich auf solche ungewissen Themen vorbereiten und die Technologie kann dabei sehr gut helfen.
Wie gross ist Ihre Belegschaft in der Schweiz insgesamt?
Wir nennen keine lokalen Zahlen zu unseren Beschäftigten in den einzelnen Ländern. Wir haben weltweit über 4000 Kunden und über 90'000 Angestellte. Wir sprechen hier vor allem in globalen Zahlen.
Bereitet Ihnen der Fachkräftemangel in der Schweiz Mühe?
Wir bekommen im Moment in der Schweiz die Mitarbeitenden, die wir benötigen, aber es ist trotzdem ein Markt, der sehr umkämpft ist. Das führt auch dazu, dass Unternehmen an sich selbst arbeiten müssen, damit sie zum Arbeitgeber der Wahl werden. Es gilt, ein Vorbild zu sein, einen angenehmen Umgang zu pflegen und Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten.
Wir schauen bei Kyndryl darauf, dass es für jeden IT-Spezialisten einen Wachstumspfad gibt, auf dem sich Mitarbeitende nicht nur in der IT fortbilden können. So dass sie etwa bei Vorzeigeprojekten mit Unternehmen platziert werden, wo sie auch persönlich davon profitieren können. Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Wenn die Jungen direkt von der Universität oder einer Ausbildung kommen, unmittelbar bei einem grossen Projekt mitarbeiten und nebenbei ihre Zertifizierungen machen können, ist das natürlich Gold wert.
Erst kürzlich wurde bekannt, dass Kyndryl einen Teil seiner Mitarbeitenden entlässt. Ist die Schweiz auch davon betroffen?
Grundsätzlich schauen wir, dass wir immer dort investieren, wo wir auf Skills angewiesen sind, um sicherzustellen, dass wir effizient arbeiten und die Bedürfnisse unserer Kunden erfüllen. Für die Schweiz gibt es diesbezüglich nichts Besonderes zu verkünden.
In der Zeit nach der Abspaltung von IBM kam es zu grossen Partnerschaften mit Microsoft, Google, AWS, VMware, Dell, Cisco oder SAP. Welche Kooperationen können künftig noch erwartet werden?
Durch die Partnerschaften – auch mit ehemaligen Konkurrenten – hat sich der adressierbare Markt von Kyndryl mehr als verdoppelt. Wir haben seit der Abspaltung Kooperationen mit rund 30 Technologiepartnern geschlossen. Zusammen mit Microsoft und Dell haben wir zum Beispiel erst kürzlich eine integrierte Hybrid-Cloud-Lösung angekündigt. Darüber hinaus haben wir die globale Partnerschaft mit Dell Technologies um Cyber-Resilience-Funktionen erweitert.
Kann man daraus hören, dass Sie auf der Suche nach einem entsprechenden Security-Partner sind?
Gerade in den Bereichen Security und Resilienz ist keine Firma so aufgestellt, dass sie alles End-to-End abdecken kann. Dort, wo wir eine notwendige Ergänzung für eine Kundenlösung benötigen, schauen wir uns am Markt um, wer die stärksten Player sind. Das gehört zu unserer DNA dazu, so sind wir als Kyndryl aufgestellt.