Gaia-X will in die Schweiz expandieren

17. November 2022 um 15:01
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Gaia-X-Summit 2022 in Paris. Foto: Gaia-X Association

Über 350 Mitglieder zählt das Cloud-Projekt inzwischen. Neu sind die Europäische Zentralbank und Equinix dabei. Der Gaia-X-Vorstand hat auch die Schweiz im Blickfeld.

Mit 22 deutschen und französischen Unternehmen startete das europäische Cloud-Projekt Gaia-X 2019. Inzwischen ist die Mitgliederzahl auf über 350 angewachsen. Zum diesjährigen Gaia-X-Summit, der am 17. November in Paris begann, hat auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Mitgliedschaft bekannt gegeben.
Die EZB wolle sich am "Aufbau eines europäischen Datenökosystems und der Förderung der digitalen Souveränität in Europa" beteiligen, heisst es in einer Mitteilung. Gaia-X werde die digitale Transformation der Wirtschaft unterstützen und stehe im Einklang mit der Digitalstrategie der Europäischen Kommission. "Die von Gaia-X entwickelten gemeinsamen Standards werden es den Nutzern digitaler Dienste auch ermöglichen, die Kontrolle über ihre eigenen Daten zu behalten." Mit ihrem Beitritt werde die EZB einen Mitgliedsbeitrag zahlen, ihre IT-Expertise einbringen und sich an der Führung des Verbands beteiligen.

Bedenken hinsichtlich der digitalen Souveränität

Ebenfalls neu im Kreis der Non-Profit-Organisation ist Equinix. Es gebe "einzigartige Herausforderungen beim Aufbau von Datenmarktplätzen in der Europäischen Union, wo anhaltende Bedenken hinsichtlich der digitalen Souveränität durch die jüngsten geopolitischen Ereignisse verschärft wurden", schreibt das Unternehmen in einem Blogbeitrag. "Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist Equinix der Gaia-X-Initiative beigetreten." Man sei stolz darauf, "die digitale Infrastruktur und die Dienste anzubieten, die dazu beitragen, einen souveränen Ansatz für den Datenaustausch in Europa zu ermöglichen".
Was als französisch-deutsche Initiative begann, ist längst eine Grossorganisation mit internationaler Ausrichtung geworden, der Google, Microsoft, Oracle und IBM ebenso angehören wie Alibaba und Huawei. Das hatte vor dem letztjährigen Summit für Kritik gesorgt: Mit Scalway und Nextcloud waren zwei Gründungsmitglieder ausgetreten. Bei Gaia-X stehe nicht mehr der Wunsch der Entstehung einer europäischen Cloud-Industrie im Zentrum, lautete ihre Begründung. "Zu viele Köche verderben den Brei", so Nextcloud-Gründer Frank Karlitschek.

"Wir haben bei Null angefangen"

Seither sei die Zahl der Mitglieder aber trotz einiger Abgänge weiter gestiegen, betonte Maximilian Ahrens, Gaia-X-Vorstandsmitglied und CTO von T-Systems, gegenüber dem holländischen Tech-Magazin 'AG Connect'. "Denken Sie daran, wir haben bei Null angefangen. In den vergangenen Jahren ging es vor allem darum, den Mitgliedern klarzumachen, was wir erreichen und liefern wollen."
Auch Gaia-X-CEO Francesco Bonfiglio unterstrich an einem Medientermin des Summits laut 'AG Connect' das Wachstum. "Wenn du schnell gehen willst, geh alleine. Wenn du weit kommen willst, musst du zusammen gehen", so der CEO. 8 Leuchtturmprojekte in unterschiedlichen Branchen seien angelaufen, die sich in Stadien von Use Cases über Business Case bis zur Produktphase befinden würden. Eines dieser Projekte ist Structura-X, in dessen Rahmen unter anderem Atos, T-Systems und DE-CIX daran arbeiten, interoperable, Gaia-X-konforme Cloud-Services aufzubauen.

Hubs in den USA, Ausbau in die Schweiz

Laut Bonfiglio verteidige Gaia-X immer europäische Interessen, obwohl auch aussereuropäische Organisationen Mitglieder sind. "Wenn Gaia-X global expandieren kann, ist das nur eine gute Sache. Dies bedeutet, dass auch aussereuropäische Länder bereit sind, unsere Prinzipien zu übernehmen."
"Wir haben jetzt mehrere Hubs in den USA gestartet. Sie bilden dort unsere Antennen und erkunden die Bedürfnisse des lokalen Marktes", erklärte Vorstand Ahrens gegenüber 'AG Connect'. "Dies geschieht auch in mehreren Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz, dem Vereinigten Königreich und den östlichen Staaten."
Mit einer möglichen Expansion in die Schweiz nimmt die Gaia-X-Initiative Vorstösse der hiesigen Politik und IT-Branche auf. Seit Februar 2022 beteiligt sich mit dem Startup Vereign auch ein Schweizer Unternehmen aus Zug an einem Gaia-X-Teilprojekt. Als Teil eines europäischen Konsortiums arbeitet Vereign an der Entwicklung eines Basis-Codes für einen Personal Credential Manager, einen Organizational Credential Manager sowie für eine Trust Services API.

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