Gemeinden wollen gemeinsam digitalisieren

17. Juni 2026 um 12:35
image
Foto: Ricardo Gomez Angel / Unsplash

Schweizer Gemeinden wollen digitale Projekte vermehrt gemeinsam umsetzen. Fehlende Standards, Ressourcen und klare Vorgaben bremsen die Zusammenarbeit jedoch.

Die digitale Transformation der Schweizer Gemeinden soll stärker gemeinsam erfolgen. Laut der jährlichen Umfrage des Vereins Myni Gmeind, des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV) und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) möchten 62% der befragten Gemeinden Digitalisierungsprojekte künftig im Verbund umsetzen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die praktische Zusammenarbeit noch mit verschiedenen Hürden verbunden ist.
An der im Frühjahr durchgeführten Befragung beteiligten sich 639 Gemeinden – rund ein Drittel aller Schweizer Gemeinden. Die hohe Beteiligung unterstreicht laut den Studienverantwortlichen die Bedeutung des Themas für die kommunale Ebene.

Kooperation gewünscht, Umsetzung schwierig

Als wichtigste Vorteile einer Zusammenarbeit nennen die Gemeinden den Austausch von Wissen und Erfahrungen sowie mögliche Effizienzgewinne. Gerade kleinere Gemeinden sehen Kooperationen als Möglichkeit, fehlende interne Ressourcen auszugleichen. Mehr als die Hälfte der Schweizer Gemeinden zählt weniger als 2000 Einwohnerinnen und Einwohner und verfügt entsprechend über begrenzte Verwaltungskapazitäten.
Zwischen dem Wunsch nach Zusammenarbeit und der tatsächlichen Umsetzung bestehe jedoch eine Lücke. Die Gemeinden bewerten ihre aktuelle Kooperation bei Digitalisierungsprojekten durchschnittlich mit der Note 3,8. Als Herausforderungen gelten unter anderem unterschiedliche IT-Systeme sowie die Sorge, durch gemeinsame Lösungen einen Teil der kommunalen Eigenständigkeit zu verlieren. Bei konkreten Projekten stehen vor allem Kooperationen mit Nachbargemeinden sowie Gemeindeorganisationen im Vordergrund. Eine Zusammenarbeit mit Kantonen oder dem Bund spiele aktuell eine geringere Rolle.

Forderung nach Standards und Koordination

Von Bund und Kantonen wünschen sich die Gemeinden vor allem klarere Vorgaben, einheitliche Standards und eine bessere Abstimmung. Neben technischen Rahmenbedingungen gelten auch personelle und finanzielle Ressourcen sowie eine strategische Verankerung der Digitalisierung in den Verwaltungen als entscheidende Faktoren für erfolgreiche Projekte.
Als ein Ansatz zur besseren Koordination wird das Projekt "Gemeindeconnect" von Myni Gmeind und dem SGV genannt. Ziel sei es, kantonsübergreifend gemeinsame digitale Services aufzubauen und dadurch parallele Entwicklungen zu vermeiden. Pilotprojekte in den Kantonen Solothurn und Freiburg wurden laut SGV bereits abgeschlossen, weitere Kantone sollen folgen.

Informationsstand zur E-ID bleibt tief

Die Umfrage untersuchte zudem die Einschätzung der Gemeinden zur geplanten elektronischen Identität (E-ID). Grundsätzlich werde die E-ID als wichtiger Bestandteil einer digitalen Verwaltung betrachtet. Gleichzeitig zeigt sich ein grosser Informationsbedarf: Rund 70% der Gemeinden bewerten ihren aktuellen Informationsstand als unklar oder unzureichend, so die Umfrage. Nur ein kleiner Anteil der Gemeinden fühle sich bereits ausreichend informiert, um die Auswirkungen der Einführung abschätzen und entsprechende Vorbereitungen treffen zu können.

Loading

Mehr zum Thema

image

Threema will nicht mit Whatsapp chatten

Dass die EU Meta dazu gezwungen hat, Whatsapp für andere Chat-Dienste zu öffnen, sei gut gemeint, aber schlecht für den Datenschutz, glaubt Threema.

publiziert am 24.7.2026
image

Kühne+Nagel profitiert von KI-Boom

Der Logistikkonzern transportiert zunehmend Komponenten für KI-Rechenzentren und will zugleich mit Künstlicher Intelligenz die eigene Produktivität steigern.

publiziert am 23.7.2026
image

Google kassiert die nächste Millionenbusse

Die EU-Kommission verhängt gegen Google eine Busse von 890 Millionen Euro und verlangt Änderungen bei der Websuche sowie im Play Store.

publiziert am 23.7.2026
image

EU bringt die Chatkontrolle zurück

Auf Initiative der EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola erhält die Übergangsregelung zur Chatkontrolle eine weitere Verlängerung. Eine endgültige Lösung wird aber gesucht.

publiziert am 22.7.2026