Die Sicherheitsspezialistinnen und -spezialisten des Bündner Amts für Informatik (AFI) haben gemäss einer Mitteilung des Kantons vom Mittwoch, 5. August, einen Cybervorfall auf der kantonalen Sharepoint-Umgebung festgestellt. Diese ist für den Internetauftritt der kantonalen Verwaltung verantwortlich. Eine erste Analyse hat demnach keine Anzeichen für kompromittierte Konten oder abgeflossene Daten ergeben. Vertrauliche Informationen oder besonders schützenswerte Personendaten seien ohnehin nicht betroffen, da diese nicht auf diesen Servern gespeichert würden.
Die Täterschaft ist bisher noch unbekannt, wie der Leiter des Amts für Informatik, Lorenz Tanner, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA festhielt. Die Aufklärung laufe nun zusammen mit dem Bundesamt für Cybersicherheit. Es könnte sich gemäss Tanner um die gleiche Sicherheitslücke handeln, die auch beim Bund festgestellt wurde. Von dieser seien Sharepoint-Systeme weltweit betroffen. Der Angriff erfolgte gemäss Tanner am 29. Juli am Nachmittag. Es wurden zwei Dateien platziert, deren Code allerdings nicht ausgeführt worden sei.
Um den Vorfall zu beheben und Sicherheitslücken zu schliessen, führt das AFI gemäss Mitteilung am Mittwochabend ab 19 Uhr ein ausserordentliches Update auf der kantonalen Website durch. Ab diesem Zeitpunkt werde die Website für mehrere Stunden nicht erreichbar sein. Das ePortal und sämtliche Fachapplikationen des Kantons Graubünden sind laut Kantonsmitteilung nicht vom Cyberangriff betroffen und bleiben auch während des Updates online.
Konten beim Bund kompromittiert
Die unbekannten Angreifer nutzten dort mutmasslich Schwachstellen in der Sharepoint-Software von Microsoft aus, wie das BIT am Dienstag schrieb. Der Softwarehersteller hatte Mitte Juli über mehrere solcher Lücken informiert. Das BIT betrieb die Server in den eigenen Datenzentren des Bundes und hatte nach eigenen Angaben umgehend mit der Installation der bereitgestellten Sicherheits-Updates begonnen. Sharepoint ist eine Webanwendung, die zur Zusammenarbeit und als Dateiablage dient.
Grosser Datendiebstahl in Liechtenstein
Adressen und Telefonnummern wie auch finanzielle Daten, etwa Umsätze, Vermögen oder Dividenden, sind nicht vom Datendiebstahl tangiert, wie es am Dienstag vor den Medien hiess. Nach aktuellem Kenntnisstand wurden keine Daten verändert oder gelöscht.
Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass es sich um "einen Angriff auf hohem technischem Niveau auf eine hochkomplexe Infrastruktur" gehandelt hat, wie Regierungschefin Brigitte Haas am Dienstag an einer Medienorientierung erklärte. Bisher sind keine Lösegeldforderungen eingegangen, und die Daten sind nicht im Darknet aufgetaucht. Auch die Täterschaft ist bisher unbekannt.