Das Liechtensteiner Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen wurde Mitte vergangener Woche
Ziel eines digitalen Angriffs. Dabei wurden 31'000 Datenkopien von Gesellschaften, Stiftungen und Treuhänderschaften entwendet. Die Täterschaft hinter dem Cyberangriff sei weiterhin unbekannt. Das Fürstentum erhält zur Untersuchung des Vorfalls auch internationale Unterstützung.
Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass es sich um "einen Angriff auf hohem technischem Niveau auf eine hochkomplexe Infrastruktur" gehandelt hat, wie Regierungschefin Brigitte Haas am Dienstag, 4. August, an einer Medienorientierung erklärte.
Vom Datendiebstahl betroffen sind Namen der Rechtsträger sowie Namen, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Wohnsitzstaat der wirtschaftlich berechtigten Personen. Adressen und Telefonnummern wie auch finanzielle Daten, etwa Umsätze, Vermögen oder Dividenden, sind nicht vom Datendiebstahl tangiert, hiess es von der Regierung.
Nach aktuellem Kenntnisstand wurden keine Daten verändert oder gelöscht. Wie viele der Daten einen Schweizer Bezug haben, konnte an der Medienorientierung noch nicht beantwortet werden. Diese Abklärungen laufen noch immer.
Vorgehen der Täter
Klar ist inzwischen, dass die Täterschaft mittels Einzelanfragen die Daten entwendete. Sie habe sich mehrere Stunden im System aufgehalten. Die vorläufigen Untersuchungsergebnisse zeigen zudem gemäss Haas, dass das Verzeichnis gezielt und isoliert angegriffen wurde. "Weder zu den Servern der Landesverwaltung noch zu weiteren Systemen der Landesverwaltung wurden gemäss aktuellem Kenntnisstand widerrechtliche Zugriffsversuche registriert."
Neben der Suche nach der Täterschaft gehen die Verantwortlichen der Frage nach, wieso sich diese mehrere Stunden im System aufhalten konnte, ohne dass ein Alarm ausgelöst wurde. Am Wochenende wurde vom Amt für Justiz Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht. Es werden weiterhin digitale Spuren ausgewertet und in Zusammenarbeit mit europäischen Behörden – auch aus der Schweiz – weiterverfolgt. Welche das genau sind, wurde an der Medienorientierung nicht kommuniziert.
Weitere Daten vom Netz genommen
Die ersten Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das Verzeichnis isoliert angegriffen wurde. Aus Sicherheitsgründen wurden am Montag vorerst
weitere sensible Daten vom Netz genommen. Konkret betraf dies das zentrale Kontenregister sowie das zentrale Steuerfachsystem Intax. Bereits am vergangenen Freitag gingen das eMWST-Portal und die elektronische Melde- und Datenaustauschplattform Lides offline. Dabei handle es sich aber um eine reine Vorsichtsmassnahme.