Grosse Schweizer Städte haben Probleme mit neuer Mobilitätsplattform

13. Mai 2024 um 09:29
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Foto: Thomas Delacrétaz / Unsplash

Basel, Bern und Zürich haben keinen Anbieter für die geplante Mobilitäts-App gefunden. Der Kostenrahmen wurde überschritten.

Im Februar kündigten die Städte Basel, Bern und Zürich an, gemeinsam eine neue Mo­bi­li­täts­plattform aufzubauen. Carsharing, Leihvelos und Tickets für den ÖV sollten über eine App gebucht werden können. Mit "Mobility-as-a-Service" wolle man eine nachhaltige Mobilität fördern. Beteiligt am Projekt sind auch die Basler Verkehrsbetriebe (BVB), Bernmobil und die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Geplante Kosten für das Projekt: 18,2 Millionen Franken.
Doch dieses Budget reicht offenbar nicht aus. Die drei Städte haben die Suche nach einem Technologie-Anbieter für die Plattform vorerst abgebrochen, berichten die Zeitungen von CH Media (Paywall). Auf Simap heisst es als Begründung für den Abbruch, die eingereichten Angebote würden keine wirtschaftliche Beschaffung erlauben oder den Kostenrahmen deutlich überschreiten.

Kanton Zürich will sich nicht beteiligen

Gestartet wurde die Beschaffung im September 2023 in einem zweiteiligen Verfahren. Zuerst mussten Anbieter ein Konzept einreichen, nach dessen Prüfung wurden sie zu einer zur Offertstellung eingeladen. Nach dem vorläufigen Abbruch wird das weitere Vorgehen jetzt geprüft, wie die zuständige Basler Baudirektorin Esther Keller (GLP) gegenüber CH Media sagte. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass wir einen Entwicklungspartner finden."
Keller nannte als Gründe, weshalb das Geschäft nicht privaten Anbietern überlassen werden sollte, zum einen den Datenschutz, zum anderen die beabsichtigte Lenkungswirkung. Anderer Meinung ist der Kanton Zürich. In einer Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss erklärte kürzlich der Regierungsrat, er wolle sich nicht am Projekt beteiligen: "Aufgrund der Ergebnisse vergleichbarer Projekte im In- und Ausland sowie des zu erwartenden Kosten-Nutzen-Verhältnisses ist eine finanzielle Beteiligung des Kantons nicht erstrebenswert."

Ohne ZVV fehlt die Reichweite

Aus Sicht des Zürcher Regierungsrates sei die Öffnung der Vertriebskanäle mit Chancen und Risiken verbunden. "Eine Zunahme der Anzahl Fahrgäste aufgrund neuer Vertriebskanäle scheint fraglich, da in der Schweiz bereits heute ein flächendeckender und niederschwelliger Zugang zu ÖV-
Billetten besteht. Im Weiteren wird der Aufwand für den Aufbau und die Positionierung von Vertriebskanälen durch den Markteintritt Dritter und den dadurch steigenden Wettbewerbsdruck zunehmen", so die Regierung.
Der Entscheid schliesst auch eine Beteiligung des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) an der neuen App aus. Für mögliche Anbieter einer Lösung ein Problem: "Weil der ZVV nicht dabei ist, fehlt die zwingend notwendige Reichweite für eine erfolgreiche Umsetzung", sagte Roman Oberli, der Chef der Luzerner IT-Firma Axon Vibe, gegenüber CH Media. Seine Firma, die auch auf solche Lösungen unter anderem für die Deutsche Bahn spezialisiert ist, habe deshalb gar nicht erst an der Ausschreibung teilgenommen.

Gemeindeparlamente müssen noch zustimmen

Das geplante Projekt der drei Städte muss noch vor die jeweiligen Gemeindeparlamente. Die Kostenaufteilung sieht grundsätzlich vor, dass die Investitionskosten zu gleichen Teilen durch Basel, Bern und Zürich getragen werden. Nutzerabhängige Betriebskosten werden in der ersten Betriebsphase dann gemäss der Bevölkerungszahl der Städte aufgeteilt.
Lanciert werden sollte die App eigentlich im Verlauf des Jahres 2025. Der Nachteil des angestossenen Projektes sei, "dass wir auf die Zustimmung der anderen Städte angewiesen sind", sagte die Basler Baudirektorin Keller den Zeitungen. Springe eine ab, "müssten wir das Ganze nochmals überdenken".

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