Der Konsumentenschutz fordert Anbieter auf, das Geoblocking zu beenden. Es gebe massive Preisunterschiede bei Software-Angeboten, etwa zu Deutschland.
Die Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert die Preise für Software-Abonnemente. Diese seien in der Schweiz bis doppelt so teuer wie in Nachbarländern. "Plausible Erklärungen für die mitunter massiven Preisunterschiede gibt es keine. Zudem verhindern einige Anbieter aktiv, dass ihre Angebote aus der Schweiz zum Euro-Preis abonniert werden können", heisst es in einer Mitteilung.
In einem Vergleich von zehn beliebten Software- und Cloudlösungen habe der Konsumentenschutz festgestellt, dass die Preise in der Schweiz für die gleichen Leistungen teils beträchtlich höher seien als im Nachbarland Deutschland. Dies trifft vor allem Privatkundinnen und -kunden sowie KMU.
Preisdifferenzen bei Software- und Cloud-Angeboten
Als besonders frappant wird das Beispiel "Jimdo Start" für die Erstellung von Websites aufgeführt: In der Schweiz koste es 24 Franken pro Monat, in Deutschland 12,20 Euro – dies entspricht einer Differenz von 113,8%. Ebenfalls hohe Differenzen hat die Stiftung bei "Canva Pro" (+26,5%), "Norton 360 Standard" (+22,2%), "Teamviewer Remote Access" (+21,6%) und "Bitdefender Total Security" (+14,4%) festgestellt.
Preisunterschiede bei Software- und Cloud-Angeboten. Grafik: Konsumentenschutz
Als vorbildlich erwähnt sie die Cloud-Anbieter Dropbox und pCloud. Bei ihnen würden auch in der Schweiz die Euro-Preise gelten.
Der Konsumentenschutz kritisiert, dass bei vielen Anbietern keine Möglichkeit bestehe, eine Software zu einem günstigeren Euro-Preis zu abonnieren. Wie bei anderen Anbietern auch, sei beispielsweise bei Jimdo ein VPN nötig, um den deutschen Preis überhaupt zu sehen. "Kundinnen und Kunden aus der Schweiz den Zugang zu den Angeboten im Ausland zu verwehren, ist aus Sicht des Konsumentenschutzes widerrechtlich. Das Geoblocking ist dank der Fair-Preis-Initiative des Konsumentenschutzes und anderer Verbände seit 2022 verboten", heisst es weiter.
Geoblocking ist zu unterlassen
Seither dürfen Kundinnen und Kunden nicht mehr daran gehindert werden, Angebote auf ausländischen Websites zu bestellen. "Dies scheint aber noch nicht bei allen Software-Anbietern angekommen zu sein. Sie verhindern mit verschiedenen Mitteln, dass mit einer Schweizer IP-Adresse zum günstigeren Euro-Preis bestellt wird."
Fragwürdig sei, wie es bei rein digitalen Angeboten wie einer Software zu solchen Preisunterschieden komme. "Damit konfrontiert, geraten auch die Anbieter in Erklärungsnot. Auf Nachfrage des Konsumentenschutzes haben nur vier von acht Unternehmen reagiert – schlüssige Antworten blieben allerdings aus. Begründet wurden die Preisdifferenzen mit schwammigen Argumenten wie 'lokalen Marktbedingungen' und Wechselkursschwankungen", rügt die Stiftung. Sie fordert die betroffenen Unternehmen dazu auf, widerrechtliches Geoblocking und überrissene Schweiz-Zuschläge zu unterlassen.