Die Armee muss die militärische und zivile Informatik trennen. Die Entflechtung geht beim Verteidigungsdepartement nur schleppend voran: Zwei kürzlich veröffentlichte Berichte der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) zeigen, dass dieses IT-Schlüsselprogramm nur langsam und mit erheblichen Mehrkosten gedeiht – auch aufgrund fehlender IT-Fachkräfte.
Mangelnde IT-Fachkräfte
Zwar sei das Entflechtungsprogramm gut aufgestellt, wie die EFK zusammenfasst, doch kommt es nur schwerfällig und kostenintensiv voran. Derzeit ist die Trennung laut Bericht gegenüber der ursprünglichen Planung rund 2 Jahre verzögert. Das liege vor allem daran, dass technische Voraussetzungen und strategische Grundlagen nicht fristgerecht zur Verfügung standen.
Und der Auslöser dieses Problems gehe auf "fehlende Ressourcen" zurück – insbesondere auch auf mangelnde IT-Fachkräfte. Die EFK nennt es eine "Bugwelle aus generellem personellem Engpass". Die exakte Höhe an unzureichenden Vollzeitangestellten, Skills und Finanzen könne die Finanzkontrolle nicht beziffern.
"Das Fuder wurde überladen, die Armee schien die Entflechtung zeitweise im Blindflug vorangetrieben zu haben", schreibt man unter anderem bei der
'NZZ'. Dabei geht es vor allem um die Fachkräftenotlage. Die Betriebsausgaben der Armee seien limitiert. Die zusätzlichen Mittel, die nun ins Budget fliessen, sind für Beschaffungen reserviert. Ausserdem habe das Parlament die Stellen der Bundesverwaltung gestrichen. "Ein Spielraum, neues Fachpersonal anzustellen, besteht praktisch nicht."
Mehrkosten von rund 40 Millionen Franken
2018 beschloss der Bundesrat als Folge des
Cyberangriffs auf den staatlichen Rüstungskonzern Ruag, den Rüstungsbetrieb des Bundes ebenfalls zu "entflechten". Dies sei im ursprünglichen Grundauftrag nicht enthalten gewesen, weshalb auch hier erhebliche Mehrkosten anfallen würden. Die Programmleitung geht in der letzten Kostenschätzung vom Dezember 2021 von einer Kostensteigerung von rund 40 Millionen Franken aus.
"Sobald zuverlässige Fakten und Entscheidungsgrundlagen vorliegen, wird das Portfolio bereinigt, damit die Problematik fehlender personeller Ressourcen behoben, die Entflechtung und Transformation der Führungsunterstützungsbasis (FUB) optimal durchgeführt und die notwendige Leistung der FUB weiterhin vollumfänglich und sicher erbracht werden kann", schreibt die Gruppe Verteidigung in der Stellungnahme des Berichts.
Abspaltung in BIT und Kommando Cyber
Seit knapp 20 Jahren ist die zivile und militärische Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) des Bundes stark miteinander verbunden. 2016 beschloss der damalige Verteidigungsminister Guy Parmelin nach einem Cyberangriff auf Ruag, die zivile und militärische Informatik zu trennen: Mit dem Entflechtungsprojekt will man die Informationssysteme voneinander abspalten.
Grundsätzlich sollen eine Reihe von Systemen wie etwa Büroanwendungen, das Personalmanagement und alle anderen zivilen Programme in der Armee ins Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) übertragen werden. Die Armee ist dafür zukünftig nicht mehr zuständig.
Der kleine Rest an Systemen und Anwendung geht ins
sogenannte Kommando Cyber. Dieses soll in Zukunft die militärischen Schlüsselfähigkeiten im Bereich der IKT-Leistungen bereitstellen. Betroffen seien rund 18'000 Standard-Arbeitsplätze und etwa 50 Fachanwendungen. Die Kosten für die erste Phase wurden auf rund 60 Millionen Franken geschätzt.