Rückblick auf unseren Event mit Ausblick aufs BACS, die Entwicklung der Cybersicherheit – und mit einem bedrohlichen 15-Gänge-Menü.
2024 erhält die Schweiz ein Bundesamt für Cybersicherheit. Seit gestern wissen einige bislang Uneingeweihte, wie man das Amt abkürzen wird: BACS. Das zumindest zeigten die Folien von Max Klaus vom Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC). Vor rund 120 Leuten im FIFA-Museum schilderte er Details dazu: Alle Mitarbeitenden werden übernommen, am 1. Januar öffnet das BACS seine Pforten. Mehr Lohn erhält er durch die Umsiedlung nicht, "keine 5 Rappen", sagte Klaus.
Max Klaus, Stv. Leiter operative Cybersicherheit beim NCSC.
Nun sucht das Bundesamt einen Personal-Chef, wie man mit der Abkürzung einfach im Internet rausfindet. Darauf ging Klaus nicht ein, aber er beeilte sich, nach Kritik aus der Security-Szene, die Ansiedlung im VBS zu verteidigen. Man habe sich im NCSC gefragt, ob nun ins operative Geschäft reingeredet werde oder ob man wie bislang weiterarbeiten könne. Schnell sei aber signalisiert worden: Es gehe vorerst um eine rein organisatorische Integration des zivilen Zentrums.
Die Skepsis bleibt angesichts des wohl politischen Entscheids aber gross. Moderator Reto Vogt, Chefredaktor von inside-it.ch, fragte in dem angenehm gefüllten, aber etwas zu warm temperierten Raum im FIFA-Museum, wer die Ansiedlung im VBS begrüsse: 4 Hände gingen in die Luft.
"Frau Amherd muss Transparenz schaffen"
Martin Leuthold von Switch stieg dann trotzdem versöhnlich in seinen Vortrag ein. Er habe keinen Grund, die Schweizer Armee oder den Nachrichtendienst (NDB) in die Pfanne zu hauen. Er habe selbst gedient. Den Entscheid, an Florian Schütz als Leiter des BACS festzuhalten, lobte er. Aber Leuthold fragte auch, wie sich Interessenkonflikte auswirken könnten und antwortete gleich selbst darauf. Kurz: Es droht nichts Gutes.
Vor allem, weil das Vertrauen seitens Gesellschaft und Wirtschaft ins zivile Bundesamt leiden dürfte. Und das ist die Voraussetzung für die wichtige Zusammenarbeit im heiklen und opaken Bereich der Cybersicherheit. Wir erinnern uns: Gegen das Ressort Cyber des NDB, der ebenfalls im VBS angesiedelt ist, laufen Untersuchungen, nachdem es über Jahre unrechtmässig Daten beschafft hat. Die Armee wird derzeit mit Milliarden aufgerüstet. Ein Schwerpunkt ist der Cyberraum, wo auch offensive Aktionen gewünscht sind. Und diese brauchen Lücken – am besten neu entdeckte.
Martin Leuthold, Head of Data, Security & Network, Stiftung Switch.
"Wie soll ich das Vertrauen haben, dass Schwachstellen, die ich ans Bundesamt für Cybersicherheit melde, nicht unter Druck in die falschen Hände gelangen und dann als Staatstrojaner eingesetzt werden", fragte Leuthold. Detailliert zeigte der IT-Security-Veteran geplante Veränderungen: Von den drei Säulen Cyberdefense, Strafverfolgung und Wirtschaft / Zivilgesellschaft wird letztere demontiert.
Leuthold forderte auf der Bühne Transparenz von höchster Stelle: Viola Amherd stehe in der Pflicht, transparente Strukturen zu schaffen. Dazu könnten auch unabhängige Security-Experten Aufsichtsfunktion übernehmen. Zugleich forderte er von der Security-Community aber, das zivile BACS zu unterstützen.
"Wir haben erst die Vorspeise gegessen"
Danach trat Reto Vogt auf die Bühen und sprach den Firmennamen Futurae fast richtig aus. CEO Sandra Tobler berichtete im Anschluss von ihren Produkten und machte Werbung für eine starke Authentisierung von Futurae. Anschliessend schilderte Swissgrid-CIO Konrad Zöschg die Massnahmen und Möglichkeiten seiner Organisation. Fazit: Auch auf Bündnerdeutsch klingt die Beschreibung der Cybersicherheit für die Stromversorgung beeindruckend.
Das Abschlusspodium.
Nach den Vorträgen teilten sich die Referenten und die Referentin ein Podium. Folgend auf eine Diskussion oder vielmehr Nichtdiskussion zu Xplain – "Die Firma, über die ich nichts sagen darf" (Max Klaus) – wollte Reto Vogt wissen, wie es in der Cybersicherheit weitergeht. "Soll man die Frage optimistisch oder pessimistisch beantworten? Ich sage mal optimistisch: Mir wird die Arbeit bis zur Pensionierung wohl nicht ausgehen", erklärte Klaus.
Zöschg antwortete mit einer kulinarischen Metapher: "Wir haben erst die Vorspeise gegessen, das Menü kommt erst noch. Ich kann aber nicht sagen, wie viele Gänge es hat."
Danach ging es zum Apéro Riche. Es gab ungefähr 15 Gänge.