Fünf Kantone und das Fürstentum Liechtenstein haben grosses Potenzial für den Einsatz von KI in öffentlichen Verwaltungen identifiziert. Wie die Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Graubünden, St. Gallen und Thurgau gemeinsam mitteilen, komme eine vor knapp einem
Jahr in Auftrag gegebene Analyse zu dem Schluss, dass es für KI vielfältige potenzielle Einsatzbereiche gäbe.
In einem ersten Schritt haben die Verwaltungsmitarbeitenden eine Übersicht erstellt, in welchen Bereichen KI Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen verbessern oder Abläufe effizienter machen kann. Dafür wurden über 120 Anwendungsfälle beschrieben, gesammelt und kategorisiert. Die Fälle reichen von allgemeiner Büroassistenz über die Erteilung von Auskünften bis hin zu datenbasierter Entscheidungsunterstützung. Ausserdem wurden verschiedene KI-Funktionen wie zum Beispiel semantische Suche, Mustererkennung oder Prognoseerstellung näher betrachtet. Die Ergebnisse sind in eine
interaktive Übersicht eingeflossen.
Aus der Übersicht geht beispielsweise hervor, dass sich KI als nützlich erweisen könnte für die Plausibilisierung von Abstimmungs- und Wahlergebnissen. Heute erfolge die Prüfung der Ergebnisse auf Unstimmigkeiten manuell, was bei grossen Datenmengen zeitaufwendig sei. Zudem könnten unerkannte Auffälligkeiten die Korrektheit der Resultate beeinträchtigen, heisst es. Eine automatisierte Plausibilisierung würde die Arbeit der Wahlbehörden erleichtern, indem sie gezielt auf Ergebnisse hinweist, die einer genaueren Prüfung bedürfen. Durch den Einsatz von KI-Systemen könnten rechtzeitig Fehler vermieden werden, was für das Vertrauen in die Korrektheit von Abstimmungs- und Wahlergebnissen von hoher Bedeutung sei.
Appenzell Ausserrhoden prescht voran
Trotz dieser vielversprechenden Resultate der Analyse wollen die Kantone und das Fürstentum aber nicht gleich in die Umsetzung gehen, wie sie schreiben. Die Übersicht sei vielmehr eine Ideensammlung. Eine allfällige Umsetzung eines Anwendungsfalls sei vertieft zu beurteilen. Denn die KI-Systeme müssten einerseits hohen Anforderungen genügen und andererseits stelle sich ein wirtschaftlicher Einsatz nur dann ein, wenn die Lösungen möglichst breit eingesetzt werden.
Das Zusammenspannen der Kantone böte eine Chance für eine breite Nutzung von KI. Wie die Beteiligten betonen, habe sich der interkantonale Ansatz als grosser Mehrwert des Projekts erwiesen. Die Verwaltungen wollen auch in Zukunft zusammenarbeiten und die gemeinsame Sammlung der KI-Anwendungsfälle aktualisieren und erweitern. Daneben sei ein Austausch über die Erfahrungen in der Umsetzung von KI-Projekten vorgesehen. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden könnte hier den Anfang machen, da die Verwaltung erst jüngst, notabene zusammen mit fünf anderen Kantonen, die
Entwicklung einer KI-Plattform in Auftrag gegeben hat.
KI-Grundsätze in Graubünden
In Graubünden habe die Regierung aufgrund der Analyse Grundsätze bei der Nutzung von KI festgelegt. Ein Schwerpunkt liege auf einem transparenten und verantwortungsvollen Einsatz. Hierfür seien verschiedene Massnahmen nötig, so die Behörde weiter.
Voraussichtlich werde Graubünden in den nächsten Jahren die KI-Konvention des Europarats im kantonalen Recht umsetzen müssen. Erste Arbeiten hierzu laufen bereits. Weiter sei der Aufbau eines Transparenzregisters für eingesetzte KI-Systeme in der Verwaltung geplant. Ausserdem würden Weiterbildungsangebote für die Mitarbeitenden der Verwaltung im Bereich KI angeboten.
(Mit Material von Keystone-sda)