Kantone sind zufrieden mit ersten E-Voting-Tests

19. Juni 2023 um 09:14
  • politik & wirtschaft
  • politik
  • e-government
  • e-voting
image
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer konnten beim letzten Urnengang von Zuhause aus abstimmen. Foto: Yasmina H

Erstmals seit Jahren wurden in der Schweiz wieder E-Voting-Tests durchgeführt. Die ersten 3 Kantone ziehen nach den Abstimmungen vom Sonntag eine positive Bilanz.

Am 18. Juni haben – nach einigen Jahren Unterbruch – in der Schweiz wieder E-Voting-Versuche stattgefunden. Die 3 beteiligten Kantone Basel-Stadt, St. Gallen und Thurgau zeigen sich zufrieden. Die Wiederaufnahme des Versuchsbetriebs sei erfolgreich verlaufen, heisst es aus Basel-Stadt. Knapp 1400 Auslandschweizer, Stimmberechtigte und 9 Menschen mit Behinderung hätten ihre Stimme elektronisch abgegeben.
Der Kanton Thurgau vermeldet knapp 1200 Personen, die ihre Stimme mittels E-Voting abgegeben haben. Das entspreche mehr als der Hälfte der von Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern abgegebenen Stimmen. "Die Wiederaufnahme von E-Voting ist gelungen", sagt Staatsschreiber Paul Roth. "Die Stimmberechtigten sind mit dem System gut zurechtgekommen."
In St. Gallen konnten nicht nur im Ausland lebende, sondern auch angemeldete Stimmberechtige aus mehreren Pilotgemeinden den neuen Kanal nutzen. Zu den Gemeinden äussert sich der Kanton nicht, schreibt aber, dass der Einsatz von E-Voting erfolgreich verlaufen sei. So seien 54% der Stimmen der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer elektronisch eingegangen.

Keine Angriffsversuche

Insgesamt haben laut einer Mitteilung der Post gut 4000 Personen elektronisch abgestimmt. Das entspreche 16% aller Personen, die die Möglichkeit gehabt hätten, mit E-Voting abzustimmen, sagt Michael Egger, Leiter E-Voting bei der Post. Er betont weiter, dass nur wenige Personen während des Prozesses abgesprungen seien. Sprich, wer den Prozess zur elektronischen Stimmabgabe gestartet habe, habe seine Stimme auch elektronisch in die Urne eingeworfen.
Wie Egger in einem bei der Post publizierten Interview weiter erklärt, habe es keine Angriffsversuche auf das System gegeben. "Auch von den DDOS-Attacken von vergangener Woche war E-Voting nicht betroffen", sagt er. Nach der Schliessung der Urne hätten die Kantone mit der Verifikationssoftware den Abstimmungsprozess überprüft. Die Prüfung habe gezeigt, dass es nicht zu Unregelmässigkeiten gekommen sei. "Damit sind und waren alle elektronisch abgegeben Stimmen gültig, das Stimmgeheimnis war jederzeit gewahrt und das Ergebnis ist korrekt ausgezählt", so Egger.

Auch weitere Kantone interessiert

Basel-Stadt, St. Gallen und Thurgau sind die ersten 3 Kantone, die nach dem Stopp 2019 die Versuche mit E-Voting wieder aufgenommen haben. Gegenüber inside-it.ch haben weitere Kantone entsprechende Pläne bekundet. Sie wollen aber zunächst erste Versuche abwarten. Ausserdem hoffen sie, dass sich der Bund an der Finanzierung beteiligt, denn die Durchführung von E-Voting ist komplex und mit hohen Kosten verbunden.
In einer Artikelserie hat sich inside-it.ch dem Thema E-Voting gewidmet. Lesen Sie, was die Tech-Community, Polit-Experten sowie Parlamentarierinnen und Parlamentarier zum Thema sagen.
Im Vorfeld der ersten Versuche waren ausserdem Barbara Schüpbach-Guggenbühl, Staatsschreiberin des Kantons Basel-Stadt, und der Politologe Micha Germann zu Gast im Podcast von inside-it.ch. Wir haben mit ihnen über das Für und Wider von E-Voting gesprochen.
Update (14 Uhr): Der Artikel wurde durch die Aussagen der Post ergänzt (2 Abschnitte nach dem 1. Zwischentitel) .

Loading

Mehr zum Thema

image

Amazon nimmt in der Schweiz Anleihen für 2,82 Milliarden Franken auf

Es ist einer der grössten Beträge, die je ein Unternehmen in Franken aufgenommen hat. Gebraucht wird das Geld vor allem für KI und Cloud.

publiziert am 12.5.2026
imageAbo

BKW vergibt Auftrag für CRM und Vertragsmanagement

Die Berner Kraftwerke investieren rund 25 Millionen Franken in Softwarelösungen bis 2031.

publiziert am 12.5.2026
imageAbo

Nach Zürich wird auch für Luzerns Schulen mehr Open Source gefordert

Ratsmitglieder aus mehreren Parteien haben einen Vorstoss zu Open-Source-Software an den städtischen Schulen eingereicht. "Das Anliegen stösst auf breite Zustimmung", erklärt Erstunterzeichner Adrian Häfliger.

publiziert am 12.5.2026
image

Digitale Briefe der Post liegen auf Google-Servern

Digitale Sendungen der Schweizerischen Post werden auf Servern von Google gespeichert. Das wirft Fragen in Bezug auf die digitale Souveränität des Unternehmens auf.

publiziert am 12.5.2026