Kapo Zürich will Bilder und Videos mit Software analysieren

2. Februar 2024 um 10:47
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Foto: zVg

Es ist ein heikles Projekt, weil auch Gesichtserkennung eine Rolle spielt. Obwohl das Projekt Ende April starten soll, ist noch kein Zuschlag erfolgt. Die Kapo tut sich offenbar schwer, einen Anbieter zu finden.

Die Kantonspolizei Zürich will eine Software beschaffen, die sie bei der "Auswertung von immer grösser werdenden Mengen an Bild- und Videodaten" unterstützt, die durch "Videokameras der Kantonspolizei Zürich, von Partnerorganisationen oder Dritten aufgezeichnet werden", so steht es im Pflichtenheft zur Ausschreibung "Bild- und Video-Datenanalyse" (BVDAS). Diese wurde im August 2023 publiziert – noch hat die Kapo aber keinen Anbieter gefunden.
Warum noch kein Zuschlag erfolgt ist, wollte die Kantonspolizei auf Anfrage nicht sagen. Auch andere Fragen, ob schon Gespräche mit Anbietern stattgefunden hätten oder wann der Go-live geplant sei, liess die Medienstelle unbeantwortet, "weil das Submissionsverfahren noch läuft", begründete Sprecher Alexander Renner.

"Automatisierte Sichtung von Bilddaten"

Dass sich die Kantonspolizei nicht äussern will, liegt wohl auch daran, dass es ein heikles Projekt ist. Es geht um Gesichtserkennung: "Aktuell verläuft die Identifizierung und Verfolgung einer Täterschaft auf den vorhandenen Kamerabildern visuell", heisst es im Pflichtenheft, das inside-it.ch vorliegt. Das benötige personelle Ressourcen sowie Zeit und könne mit menschlichen Fähigkeiten "auf den heute anfallenden Datenmengen nicht mehr gewährleistet werden", begründet die Kapo. Dass es auch anders ginge – zumindest teilweise –, zeigt die Stadtpolizei Winterthur. Diese setzt auf einen menschlichen "Super-Recognizer".
Jedenfalls soll bei der Zürcher Kapo eine Software-Lösung her, "die automatisierte Sichtung von Bild- und Videodaten" ermöglicht und dabei hilft, "Bewegungen und Objekte zu erkennen". Dies führe schlussendlich zu einem höheren Ermittlungserfolg. Sie soll im hauseigenen Datacenter betrieben werden und Fotos sowie Videos aus verschiedenen Quellen analysieren können. Die Kapo zählt auf:
  • selbstproduzierte Videos aus "bewilligten Zwangsmassnahmen",
  • fremdproduzierte Videos "im Zusammenhang mit einem Ereignis oder mit Sicherstellungen",
  • selbst- und fremdproduzierte Bild- und Videodaten im Zusammenhang mit einem Grossereignis.

Bis 4,5 Terabyte Videomaterial pro Stunde analysieren

Eine "Echtzeit-Analyse" wird im Pflichtenheft ausgeschlossen. "Der Einsatz der Software beschränkt sich auf die zeitnahe Auswertung von Daten aus bewilligten Zwangsmassnahmen oder polizeilich sichergestelltem Datenmaterial im Nachgang von Ereignissen."
Dennoch ist der Projektumfang sehr gross. Bis zu 2800 Anwenderinnen und Anwender sollen die Software nutzen können, 50 davon gleichzeitig. Und bis zu 4,5 Terabyte Videomaterial sollen pro Stunde analysiert werden können.
Sind das die Gründe, weshalb noch kein Anbieter gefunden werden konnte? Auch dazu schweigt die Kantonspolizei Zürich. Dabei ist der Zeitplan laut Pflichtenheft ambitioniert: Per Ende April sollen die Verträge unter Dach und Fach sein.

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