Der KI-Boom lässt das Geschäft des Chipherstellers Nvidia explosiv wachsen. Der Technologiekonzern konnte seinen Umsatz im vergangenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr auf 13,5 Milliarden Dollar verdoppeln. Der Gewinn sprang von 656 Millionen Dollar auf knapp 6,2 Milliarden Dollar, das ist beinahe eine Verzehnfachung. Nvidias Chef und Mitgründer Jensen Huang sieht eine neue Computer-Ära angebrochen.
Chips und Software von Nvidia eignen sich besonders gut für Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz. Unter anderem kommen sie beim Anlernen von KI-Programmen zum Einsatz. Das treibt die Nachfrage nach der Technik – gleich wie auch Nvidias Aktienkurs – schon seit Monaten in die Höhe. Die Aktie kostet mehr als dreimal so viel wie zu Jahresbeginn.
Dadurch ist Nvidia an der Börse mittlerweile rund 1,2 Billionen Dollar wert. Zum Vergleich: Der lange dominierende Halbleiter-Riese Intel bringt gerade einmal gut 143 Milliarden Dollar auf die Waage.
Börsenkurs steigt weiter
Im nachbörslichen Handel stieg die Nvidia-Aktie um rund 6,5%. Die Firma übertraf damit die bereits hohen Erwartungen der Analysten sowohl mit den Zahlen für das vergangene Vierteljahr als auch mit der Prognose für das bis Ende Oktober laufende 3. Geschäftsquartal. Nvidia rechnet mit einem weiteren Umsatzanstieg auf rund 16 Milliarden Dollar. Das ist gleich viel, wie die Firma im gesamten Geschäftsjahr 2020 umgesetzt hatte.
Eine Sorge von Analysten war, dass Nvidia sich möglicherweise nicht genug Produktionskapazitäten bei Auftragsfertigern sichern könnte. Die Zahlen zerstreuten diese Bedenken.
Das RZ-Geschäft macht Sprünge
Einen besonders grossen Sprung gab es im vergangenen Quartal im Geschäft mit Technik für Rechenzentren. Der Umsatz des Bereichs stieg im Jahresvergleich um 171% auf 10,32 Milliarden Dollar. In Rechenzentren laufen viele KI-Anwendungen und die Anlagen werden deshalb mit immer mehr Nvidia-Chips aufgerüstet.
In den Rechenzentren der Welt zeige sich gerade ein "langfristiger Wandel" von klassischen Prozessoren hin zu den von Nvidia angebotenen Chip-Architekturen, betonte Huang. Die Nachfrage sei gewaltig.
Gaming-Geschäft wächst
Auch das Gaming-Geschäft von Nvidia wuchs um 22% auf insgesamt 2,49 Milliarden Dollar. Die Grafikkarten des amerikanischen Herstellers waren einst ein grosser Wachstumstreiber, weil sie zur Erzeugung von Kryptowährungen genutzt wurden.
Nvidia sprach sich zudem gegen eine Verschärfung der US-Einschränkungen für Halbleiter-Lieferungen nach China aus. Die aktuellen Massnahmen erfüllten ihren Zweck, sagte Finanzchefin Colette Kress. Bei Nvidia hätten die Erlöse aus China im vergangenen Quartal wie üblich zwischen 20% und 25% des Geschäfts mit Rechenzentren ausgemacht.
Angesichts der weltweiten Nachfrage rechnet Nvidia auch bei weiteren möglichen Beschränkungen nicht mit sofortigen erheblichen Einbussen. Aber langfristig werde dies die Chancen der US-Chipindustrie im riesigen chinesischen Markt zunichtemachen.
Neue Plattform für KI-Lösungen
Damit dieser hohe Bedarf umgesetzt werden kann, gab der Chipkonzern eine Ausweitung der strategischen Partnerschaft mit VMware bekannt. So wollen die beiden Firmen ihre Kundschaft für generative KI vorbereiten. Dank der "VMware Private AI Foundation" sollen Unternehmen KI-Modelle anpassen und generative KI-Anwendungen ausführen können. Darunter intelligente Chatbots, Assistenten, Suchfunktionen und Zusammenfassungen.
Die Plattform soll eine vollständig integrierte Lösung mit generativer KI-Software und beschleunigtem Computing von NVIDIA sein, die auf VMware Cloud Foundation aufbaut und für KI optimiert ist.
(Mit Material von Keystone-sda)