Die zunehmende Verbreitung von KI-Services braucht mehr RZ-Leistungen. Die Rechenzentren wiederum haben einen steigenden Energiebedarf. Schon 2023
ist der Stromverbrauch von Datacentern weltweit von 4,9 Gigawatt auf 7,4 Gigawatt angestiegen. Forscher prognostizieren, dass allein eine weiterentwickelte KI-Suche von Google bald schon
den Strombedarf von kleineren Ländern wie der Schweiz übertreffen könnte.
Der Energiehunger von Künstlicher Intelligenz wirft aber noch ein weiteres Problem auf, wie eine Datenanalyse von 'Bloomberg' zeigt. Auf KI ausgerichtete Rechenzentren könnten die Qualität der in Haushalte gelieferten Elektrizität beeinträchtigen. Damit würde sich dort das Risiko von Geräteschäden und Bränden erhöhen.
Der auf Daten von Whisker Labs und DC Byte
basierende Report greift anhand von Landkarten der USA Messwerte von etwa 770'000 Haushaltssensoren auf. Diese Analysen würden zeigen, dass mehr als drei Viertel der stark verzerrten Strommessungen im ganzen Land im Umkreis von 80 Kilometern von RZ-Aktivitäten liegen.
Stromausfälle, Funkenbildung, Hausbrände
Das Problem wird als "schlechte" Oberschwingungen im Wechselspannungsnetz bezeichnet. Es tritt auf, wenn die gleichmässigen Wellen des normalen Stromflusses verzerrt werden, was zu unregelmässigen Spannungsspitzen und -einbrüchen führen kann. Diese können elektrische Geräte beschädigen, zu Stromausfällen führen, Funkenbildung und dadurch sogar Hausbrände auslösen.
Mehr als die Hälfte der Haushalte, die die schlimmsten Störungen der Stromqualität aufwiesen, befinden sich gemäss der Analyse im Umkreis von 32 Kilometern von hohen RZ-Aktivitäten. Laut US-Volkszählung leben 3,7 Millionen Menschen in diesen Gebieten.
KI ist ein "grosser Hammer"
"Wir müssen diese Risiken verstehen", sagte Hasala Dharmawardena, ein hochrangiges Mitglied des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), gegenüber 'Bloomberg'. Es sei besonders wichtig, die Auswirkungen der KI auf das Stromnetz zu untersuchen, "weil sie ein so grosser Hammer" für das Netz ist, so Dharmawardena. "Das Rechenzentrum ist eine sehr grosse Last. Nehmen Sie Ihr Haus und multiplizieren Sie es um 10'000. Das ist der Unterschied zwischen Ihrem Haus und einem Rechenzentrum."
Da zur Unterstützung der KI weitere Datenzentren in Planung sind, sei es dringend erforderlich, ihre Auswirkungen besser zu verstehen, sagte auch Aman Joshi, Chief Commercial Officer von Bloom Energy Corp. Der Energieverbrauch von KI sei volatil und würde eher einem Sägezahndiagramm als einer glatten Linie ähneln, an die die meisten RZ-Betreiber bisher gewöhnt waren. "Kein Netz ist dafür ausgelegt, derartige Lastschwankungen nicht nur für ein Rechenzentrum, sondern für mehrere Rechenzentren gleichzeitig zu bewältigen", so Joshi.
Ohne massive Investitionen in das zum Teil veraltete Stromnetz der USA werde sich das Problem der Oberschwingungen wahrscheinlich verschlimmern, schreibt 'Bloomberg'. Eine weitere mögliche Lösung, an der in einigen Gebieten bereits gearbeitet wird, sei, die Versorgungsnetze von Rechenzentren komplett von allen anderen zu trennen.