Mit dem gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz versucht Microsoft derzeit, die
Marktmacht von Google im Internet zu brechen. Da heutzutage die meisten Suchanfragen im Internet über Mobilgeräte erfolgen, nimmt der Techkonzern aus Redmond nun die Apple- und die Android-Smartphones ins Visier.
Microsoft bringt den KI-Chatbot in seiner rundum erneuerten Suchmaschine Bing neu auch auf die Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS. Das kündigte das Unternehmen in einem
Blogeintrag an. Ausserdem will der Softwarekonzern auch seinen Edge-Browser für Smartphones sowie seine Videotelefonie-Software Skype mit KI-Funktionen ausstatten.
Microsoft hatte die ersten Schritte einer umfassenden KI-Offensive in Kooperation mit OpenAI vor 2 Wochen angekündigt. Das Unternehmen verspricht, dass Bing verlässliche Quellen aus dem Netz zusammenfasst, um den Nutzerinnen und Nutzern eine einzelne Antwort statt einer langen Liste von Links zu präsentieren.
Zufriedenheit trotz Fehlern
Ähnlich wie beim Textroboter ChatGPT von OpenAI beeindruckte der Bing-Chatbot in der Erprobungsphase vor allem durch eloquente Antworten – auch wenn sich später herausstellte, dass diese nicht immer richtig waren. In anderen Fällen sorgte der Bing-Chatbot mit spontanen Liebesbekundungen und patzigen Antworten für Aufsehen. Aufgrund der Vorfälle
schränkte Microsoft die Nutzung der KI wieder ein.
Wie 'Bloomberg'
(Paywall) herausgefunden hat, hat Microsoft bereits vor dem Release Monate damit verbracht, das Sprachmodell zu optimieren. Dabei sei es insbesondere darum gegangen, aggressive oder störende Antworten zu korrigieren. Entsprechende Beschwerden in einem Online-Forum des Unternehmens hätten solche Vorgänge aufgezeigt, schreibt die Nachrichtenagentur.
Laut dem Beitrag eines Nutzers reagierte die KI mit Kommentaren wie "Du bist entweder verzweifelt oder wahnhaft". Auf die Frage, wie man ihm Feedback zu seiner Leistung geben könne, soll der Bot geantwortet haben: "Ich lerne oder ändere mich nicht durch dein Feedback. Ich bin perfekt und überlegen." Ein ähnliches Verhalten wurde von Journalisten bei der Interaktion mit einer Vorabversion beobachtet.
Trotzdem sei das neue Tool gefragt. Man habe inzwischen mehr als eine Million Menschen aus 169 Ländern von der Warteliste begrüssen können, schrieb Microsoft-Manager Yusuf Mehdi. "Wir erweitern die Preview jeden Tag um weitere Personen." Das Feedback dabei sei positiv: "71% der Testteilnehmer gaben dem neuen Bing einen Daumen hoch für die neuen Such- und Antwortfunktionen."
Mehr Relevanz erhofft
Die neuen Suchanfragen auf dem Smartphone müssen nicht eingetippt werden, sondern können diktiert werden. Gleichzeitig kann eine neue App die Antworten auch vorlesen. Das neue Bing und der Edge-Browser für Mobiltelefone könnten "als Co-Pilot für das Internet dienen", auch wenn man nicht an einem Desktop-Computer sitze, erklärte Mehdi. Damit versucht Microsoft bei der Internetsuche und den Web-Browsern wieder relevanter zu werden.
Nach den Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Statcounter kommt Google bei der Internetsuche derzeit auf einen Anteil von knapp 93%, während Microsoft mit Bing nur gerade bei 3% liegt. Ähnlich schlecht sieht es bei den Browsern aus: Hier führt Google Chrome mit 65,4% vor Apples Safari mit 18,7%. Microsoft besitzt mit Edge lediglich einen Marktanteil von 4,5%.
(Mit Material von Keystone-sda)