Beschäftigten sich die letzten Mitteilungen von Atos mehr mit der geplanten Reorganisation und Refinanzierung des schlingernden Konzerns, ist jetzt wieder die Chefetage an der Reihe. Atos gibt einen neuen CEO bekannt: Jean-Pierre Mustier ist der fünfte Firmenchef in den letzten zwei Jahren und der sechste innerhalb der letzten drei.
Im November 2019 trat Elie Girard den Posten an, den er bis Dezember 2021 und damit länger als alle seine Nachfolger innehatte. Zuletzt hatte Paul Saleh die Führungsposition
im Januar 2024 übernommen. Er folgte damals auf Yves Bernaert, der erst im vergangenen Oktober gekommen war.
Vortstandsvoritzender übernimmt CEO-Posten
Paul Saleh sei "die richtige Person, um Atos in dieser Zeit der Transformation zu führen, während wir entschlossene und disziplinierte Massnahmen ergreifen, um die langfristige Nachhaltigkeit unseres Unternehmens zugunsten unserer 105'000 Mitarbeitenden, unserer Kunden und unserer Investoren zu sichern", begrüsste damals Jean-Pierre Mustier, Vorsitzender des Board of Directors, den neuen CEO. Jetzt geht Saleh per sofort, und Mustier wird sein Nachfolger.
Die kürzlich bekannt gegebene Eröffnung des beschleunigten Schutzschirmverfahrens markiere den Abschluss eines wichtigen Schritts im Prozess der finanziellen Umstrukturierung von Atos und "den Beginn einer neuen Ära der Erholung und Entwicklung", so die Mitteilung. "Vor diesem Hintergrund hat Paul Saleh beschlossen, die Gruppe zu verlassen und hat dem Verwaltungsrat seinen Rücktritt vorgelegt, der ihn mit sofortiger Wirkung angenommen hat."
Der Vorstand bedanke sich "aufrichtig" bei Saleh und würdigte sein Engagement und seine Beiträge im vergangenen Jahr. Auf Vorschlag des Nominierungsausschusses habe der Verwaltungsrat einstimmig der Ernennung von Mustier zum CEO zugestimmt. Er bleibt auch Vorstandsvorsitzender.
Handelsgericht legt Anhörung fest
Wie Atos weiter mitteilt, habe das Handelsgericht Nanterre ein beschleunigtes Schutzverfahren nach französischem Recht eingeleitet. Das Gericht werde in einer für den 15. Oktober angesetzten Anhörung über die Rechtmässigkeit des Plans entscheiden. "Nach der Genehmigung durch das Gericht wird der Plan durch mehrere Kapitalerhöhungen und die Emission von Schuldtiteln zwischen November 2024 und Januar 2025 umgesetzt", kündigt der Konzern an.
Kürzlich hatte sich Atos von bestehenden Gläubigern dringend benötigte Finanzmittel
in der Höhe von 1,68 Milliarden Euro gesichert. Im Rahmen des Plans haben sich Kreditgeber und Investoren bereit erklärt, 2,9 Milliarden Euro an Darlehen und Anleihen in Eigenkapital umzuwandeln und 233 Millionen Euro an neuem Eigenkapital einzuschiessen.