13 Schweizer Firmen gründen One-Stop-Shop für Digitalisierung

20. August 2020, 16:00
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Branchen-Promis wollen gemeinsam den Schweizer Digitalisierungs-Markt für KMUs aufrollen. Wir haben mit ihnen gesprochen.

"Meist erweist sich die Digitalisierung von KMUs als schwierig. Oftmals gleicht das Vorhaben einem schieren Flickenteppich: Hier wird eine App entwickelt, dort ein Prozess angepasst." Das sagt Isabel Steinhoff. Die Strategie-Beraterin leitet zusammen mit dem IT-Manager Simon Meier die Firma Parato. Sie soll den Digitalisierungs-Problemen Abhilfe schaffen.
Hinter der soeben offiziell lancierten Parato steht eine ganze Phalanx von Branchen-Grössen. Diese würden zusammen über 350 Jahre Digitalisierungserfahrung mitbringen, wirbt die junge Firma. Die Idee für das Projekt hatten Markus Gröninger und Andrej Golob. Die beiden Branchenveteranen setzten sich Anfang 2018 bei einem Glas Weisswein zusammen und machten Nägel mit Köpfen.
Gröninger war viele Jahre Top-Manager von Avaloq. Er ist mittlerweile Unternehmer und seit 12 Jahren im Vorstand von Swico. Der IT-Veteran wird Präsident des Verwaltungsrates von Parato. Golob kennt man als Schweiz-Chef von Xerox und aus seinen langen Jahren in operativen und strategischen Positionen in Schweizer IT-Firmen, auch er sitzt im Verwaltungsrat der neuen Firma.
"Der lokale Partner kann etwas, aber er kann eben nur etwas", sagt Gröninger im Gespräch mit inside-channels.ch. Das ambitionierte Projekt der beiden Initianten: Digitalisierung von KMUs aus einer Hand und auf Augenhöhe. Aus ihren Ideen von 2018 entstand schliesslich das Material für einen Workshop mit 20 Personen aus der Digitalisierungswelt. Mit diesen debattierten sie im Sommer 2019 intensiv, wie man das gemeinsame Ziel erreichen könne. "Wir wollten die vielen Teilangebote und Kompetenzen zu einem grossen Ganzen zusammenfügen", ergänzt Golob seinen Gründungspartner.

Ein kleines Who-is-who der Schweizer Digitalisierer

In einem iterativen Prozess mit Diskussion, Challenges und Hausaufgaben wurde schliesslich die Idee konkretisiert und am 1. Mai 2020 Parato gegründet, wie Partner Daniel Jäggli, CEO und VRP von Leuchter IT, ausführt. Neben ihm stiessen auch die Berater Claudio Dionisio (ehemals Namics), Markus Mühlemann, Thierry Rietsch und Beat Wechsler dazu. Insgesamt zählt Parato nun 13 Partner mit ihren Firmen, die operativ im Geschäft tätig sind. Sie sind wiederum die Miteigentümer der Aktiengesellschaft Parato. Ihnen stehen beratend unter anderem Swico-Präsident Andi Knöpfli sowie der SwissICT-Vize und Ex-CEO von Green, Frank Boller, zur Seite.
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Die beiden Parato-Initianten Andrej Golob und Markus Gröninger neben der Co-Geschäftsleitung Isabel Steinhoff und Simon Meier (v.l.n.r.). Foto: Markus Senn
Das Ganze funktioniert als Netzwerk, das sich aus verschieden Disziplinen zusammenfügt: Von der Strategie über die Implementierung bis zur Finanzierung soll die Palette reichen. Die Partner erbringen die Leistungen und stellen auch jeweils die Rechnung. Parato selbst bietet aber auch Dienste und Tools an, so etwa ein Digitalisierungsframework oder Workshops.
Mitinitiant Golob und Leuchter-CEO Jäggli bringen bereits Erfahrung mit einem ähnlichen Ansatz mit: Sie hatten 2017 zusammen mit über 20 Microsoft-Partnern das Netzwerk dig:it now gegründet. Auch dieses sollte Firmen auf dem Weg zur Digitalisierung helfen. Es wurde aber nach rund eineinhalb Jahren begraben. "Das war damals ein Milizsystem bestehend aus Marktbegleitern", erklärt Jäggli. Man habe sich kaum ergänzt, sei nicht investiert gewesen und hätte schliesslich eine Geschäftsstelle gründen müssen.

Parato will auf 100 Partner anwachsen

Das geschah nicht. Stattdessen wurde das Projekt abgebrochen. Diesen Fehler wollte man nun nicht wiederholen und stellte schon zum Start eine Co-Geschäftsleitung ein. Die Aufgabe der beiden Geschäftsführer Steinhoff und Meier wird es sein, die Kunden bei der Zusammenarbeit mit den Partnerfirmen zu unterstützen. Sie sollen den Zugang zu den insgesamt 200 Digitalexperten der Mitgliedsfirmen sicherstellen. Steinhoff nennt sich "Tour Operator" der digitalen Reise.
Konkret betreuen sie etwa bestehende Kunden der Partner oder nehmen neue Kunden auf: Erst wird das Bedürfnis ermittelt, dann werden innerhalb des Netzwerks die Ressourcen eruiert und schliesslich soll die Kunden-Firma von den Partnern umsorgt werden.
Häufig wüssten die KMUs beim Antritt der Reise noch gar nicht, was sie überhaupt benötigen würden, sagt Co-Geschäftsführer Meier. Hier den ganzen Prozess vom "Welcome Call" an abzudecken und die ganze Palette bieten zu können, sei in der Schweiz für KMUs einzigartig, zeigt er sich überzeugt. So sind dann auch die Wachstumspläne ambitioniert: Auf rund 100 Partner will das Netzwerk mit seinen derzeit 13 Firmen anwachsen.

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