800 Verhaftungen: Polizei lockte Kriminelle auf eigene Kommunikations-App

8. Juni 2021, 14:28
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In der bislang grössten Kampagne gegen verschlüsselte Kommunikation griffen Polizeikorps international 27 Millionen Nachrichten ab.

Ein Abhörcoup mehrerer Polizeibehörden unter Federführung des FBI und der Australian Federal Police (AFP) hat zu 800 Festnahmen in 16 Ländern geführt. Zudem wurden unter anderem 8 Tonnen Kokain, 250 Schusswaffen und Gelder in Höhe von 48 Millionen Dollar beschlagnahmt. Der Erfolg beruhe auf der grössten je durchgeführten Strafverfolgungsaktion gegen verschlüsselte Kommunikation, teilt Europol mit. An der Aktion waren Polizeieinheiten von 19 Ländern involviert. Die Schweiz war nicht beteiligt.
Die Ermittler haben für den gross angelegten Feldzug Kryptohandys sowie den Dienst "AN0M" entwickelt und im kriminellen Milieu populär gemacht. Seit 2019 wurden über 12'000 Geräte an 300 kriminelle Organisationen geliefert, darunter die italienische Mafia, Rockergangs und internationale Drogenhändler, heisst es vom Europol. Über den Dienst haben die Polizeikorps in den Chats der Kriminellen in rund 100 Ländern mitgelesen und schliesslich 27 Millionen Nachrichten auswerten können. Darin ging es laut der australischen Bundespolizei nicht nur um Drogenhandel, Geldwäsche und Waffenverkäufe sondern auch um Mordaufträge. Bei diesen sei umgehend gehandelt worden, heisst es aus Australien.
Die beteiligten Polizeikorps versichern, dass keine Personen ausserhalb des kriminellen Milieus den Dienst genutzt hätten. Man habe einen Kriminellen kennen müssen, um ein Gerät zu bekommen, heisst es dazu. Auf den Handys, die auf dem Schwarzmarkt gekauft wurden, konnten keine Anrufe getätigt oder E-Mails versandt werden, sondern nur Nachrichten an andere Kryptohandys, auf denen AN0M installiert war.
Es handelt sich um den grössten Schlag gegen verschlüsselte Kommunikation von Kriminellen, aber nicht um den ersten: 2018 war der Dienst Phantome Secure abgeschaltet worden. Im Juli 2020 wurde dann die Plattform EncroChat zerschlagen, 2021 folgte das Kommunikations-Tool Sky ECC. Viele der vormaligen User seien auf das vom FBI verwaltete AN0M migriert, wie die Europol nun mitteilt. Man besitze jetzt einen tiefen Einblick in die kriminellen Strukturen. In den kommenden Wochen würden weitere Aktionen folgen.
Auf der Website von Anom finden sich mittlerweile die Logos des FBI und der Australian Federal Police. Nutzer von AN0M können ihre Anmeldedaten in ein Formular eingeben, um herauszufinden, ob gegen sie ermittelt wird. 

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