Amazon will Lagerarbeiter durch Roboter ersetzen

20. März 2012 um 10:25
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Wenn der Packer nicht zum Gestelll geht, geht das Gestell halt zum Packer. Und ein ETH-Professor freut sich.

Wenn der Packer nicht zum Gestelll geht, geht das Gestell halt zum Packer. Und ein ETH-Professor freut sich.
Amazon will für 775 Millionen Dollar das US-Unternehmen Kiva Systems übernehmen, wie der Online-Handelsriese gestern mitgeteilt hat. Kiva stellt auf Robotern basierende Automatisierungstechnologie für Läger her. Kiva wurde 2003 gegründet. Einer der Gründer, und Chief Technical Advisor von Kiva Systems ist der ETH-Professor Raffaello D'Andrea. Der gebürtige Italiener arbeitet am Institut für dynamische Systeme und Regelungstechnik der ETH.
Amazon setzt in seinen Lägern laut 'Wall Street Journal' zwar einige Automatisierungstechnologien ein, verlässt sich aber bisher trotzdem hauptsächlich auf menschliche Arbeit. Vor allem zu Spitzenzeiten, beispielsweise in der Weihnachtszeit, stellt Amazon jeweils ein Heer von zusätzlichen Arbeitskräften ein, um alle Bestellungen erledingen zu können. Nun soll sich das anscheinend zumindest teilweise ändern.
Kiva verfolgt ein interessantes Konzept bei der Lagerautomatisierung. Damit die Packer, die Bestellungen zusammenstellen, nicht jedes Produkt einzeln in den Gestellen suchen müssen, werden traditionellerweise meistens mechanisierte Gestelle und Kilometer von Förderbändern oder Seilbähnchen eingesetzt. Das erfordert allerdings einen hohen Standardisierungsrad bei Produkten und Verpackungen. Beim Kiva-System werden dagegen die Gestelle, auf denen benötigte Produkte lagern, von selbstnavigierenden Roboterchen – die orangen Dinger auf unserem Bild - auf den Buckel gepackt und zum Verpackungspersonal gefahren.
Die Roboter bringen dabei zuerst Gestelle mit Schachteln, die gefüllt werden sollen, zum Packer oder zur Packerin. Weitere Roboter bringen Gestelle mit benötigten Waren, warten geduldig in einer Schlange, bis ihr Gestell dran kommt, und bringen es danach wieder an seinen Platz. Laserpointer zeigen dem Personal, welches Produkt sie vom Gestell nehmen sollen, und wenn eine Bestellung komplett ist, fahren die Roboter die gefüllten Schachteln zur Auslieferung. Analog, einfach umgekehrt, funktioniert auch das Auffüllen der Läger. Die zum System gehörende Management-Software kann dabei laut Kiva ein Lager kontinuierlich dynamisch optimieren, indem häufig gebrauchte Gestelle von den Robotern näher an den Packplätzen abgestellt werden, und selten gebrauchte Gestelle weiter weg. Wie das Ganze funktionieren soll, sieht man am Besten in einem kurzen Demo-Clip auf der Webseite von Kiva.
Gemäss Kiva Systems können so vom Lagerpersonal zwei bis dreimal mehr Bestellungen pro Stunde erledigt werden, als ohne Automatisierung. Die Ausstattung eines Lagers mit dem Kiva-Robotern kostet laut 'Wall Street Journal' typischerweise zwischen einigen Millionen und etwa 20 Millionen Dollar.
Zu den Kunden von Kiva gehören neben den beiden Amazon-Töchtern Zappos.com und Diapers.com auch andere Unternehmen wie Crate & Barrel oder Gap. Laut einem Amazon-Sprecher soll Kiva auch weiterhin Drittunternehmen beliefern – Amazon breitet sich also mit der Übernahme auch in ein weiteres Geschäftsfeld aus. (Hans Jörg Maron)

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