Vergangene Woche hat die Genfer Privatbank Lombard Odier erstmals Geschäftszahlen offengelegt. Die Zahlen zeigen vor allem, dass die Bank viel Geld mit ihrer IT-Plattform verdient, die sie auch Externen anbietet. Das jährliche Wachstum im Bereich der Technologie- und Bankdienstleistungen beträgt 21 Prozent.
Patrick Odier, geschäftsführender Teilhaber der Bank, sagte in einem Interview mit
'Finanz und Wirtschaft' zwar, Lombard Odier sei kein IT-Unternehmen, aber die IT-Plattform sei in der Tat ein Wachstumsgebiet: "Wir haben schon früh gesehen, wie wichtig dieser Bereich für eine Privatbank und einen Asset-Manager, wie wir es sind, ist. Wir haben früh entschieden, dass wir eine eigene Lösung entwickeln und betreiben wollen, die sich beliebig erweitern lässt."
Auf die Frage, ob es denkbar wäre, diesen Geschäftsbereich an die Börse zu bringen, antwortet Odier: "Das ist ein interessanter Gedanke, aber Publikumsöffnungen können nicht Bestandteil der Strategie einer Privatbank wie Lombard Odier sein. Ich glaube deshalb aus heutiger Sicht nicht, dass wir ein IPO für unsere Technologieplattform je in Betracht ziehen würden." Man wolle die Kontrolle über diesen Geschäftsbereich jederzeit behalten. "Er ist zu zentral für die Entwicklung unseres Unternehmens, als dass wir von anderen abhängig sein wollen. Wir bieten die Plattform nicht irgendwelchen Unternehmen an, sondern nur Gesellschaften, die mit uns partnerschaftlich verbunden sein wollen. Die Kontrolle werden wir jedoch wie erwähnt nie aus den Händen geben", so Odier.
Hintergrund der Äusserungen dürfte die Tatsache sein, dass sich Lombard Odier in Position bringen möchte, denn mittlerweile fassen vermehrt Privatbanken ein Outsourcing ins Auge. Lombard Odier konkurriert in Sachen Business Service Providing vor allem mit Crédit Agricole. Gerade für welsche Banken war bisher Crédit Agricole der wichtigste Ansprechpartner. Doch die Plattform der Crédit Agricole gilt im Vergleich mit jener von Lombard Odier als veraltet. (mim)