Böse, böse E-Mail-Hydra als Managerzeitfresser

4. Juni 2007, 23:48
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Eulen nach Athen und eine verwegene Rechnung.

Eulen nach Athen und eine verwegene Rechnung.
Das Henley Management College hat, im Auftrag des Headset-Herstellers Plantronics, bei einer Befragung von 180 Managern in Deutschland, Großbritannien, Dänemark und Schweden ein Phänomen "entdeckt", das wohl die meisten unserer Leser bereits kennen: E-Mails sind nicht immer ein sehr effizienter Kommunikationsweg, und ihre Bearbeitung kann viel Arbeitszeit aufzehren.
Die Hydra ist das Monster aus der griechischen Sagenwelt, dem immer zwei neue Köpfe wachsen, wenn man ihm einen Kopf abgeschlagen hat. Ähnlich verhält es sich mit E-Mails, so die Studie: Jedes gesendete Mail führe zu durchschnittlich vier bis sechs neuen E-Mails in der Inbox. Die befragten Manager stünden E-Mail deshalb als internem Kommunikationsweg und Ersatz für persönliche Gespräche kritisch gegenüber und Entscheidungsprozesse via E-Mail würden als besonders zeitintensiv eingeschätzt.
Plantronics hätte es natürlich gerne, wenn Manager daraus die Konsequenzen ziehen und wieder öfter telefonieren würden, vorzugsweise mit einem schicken Headset des US-Unternehmens. Aber genau wie die griechischen Helden der Hydra unverzagt immer wieder Kopf um Kopf abschlugen um sich letztendlich - bis auf Herakles - doch auffressen zu lassen, dürfte die meisten Manager wohl zum Leidwesen von Plantronics vorerst das Mailen nicht lassen.
All die Jahre (Wo kommen sie her?)
Dass man mit E-Mails viel Zeit liegen lassen kann, ist wohl eine unbestreitbare Tatsache. Der Grund für unseren sarkastischen Ton ist aber die ziemlich hanebüchene Rechnung, mit der Plantronics das "E-Mail-Monster" noch etwas monströser zeichnen will. 3,5 Jahre ihres Lebens, wird behauptet, würden Büroangestellte mit unnötigen E-Mails verschwenden.
Und wie kommt man darauf? Die befragten Manager, so steht in der deutschen Pressezusammenfassung, würden "bis zu" zwei Stunden pro Tag mit der E-Mail-Kommunikation verbringen. (Liegt wohl an der tollen PR-Arbeit. In einem englischen Artikel fanden wir an gleicher Stelle, und wahrscheinlich ebenso falsch, das Wort "at least".) Aus dem "bis zu" wird nun flugs ein "durchschnittlich" gemacht: Zwei Stunden seien ein Viertel eines Arbeitstages und hochgerechnet auf die Lebensarbeitszeit (etwa 40 Jahre) würde man also etwa 10 Jahre mit Mails verbringen. Rund 32 Prozent E-Mails würden die Befragten als "irrelevant" und reine Zeitfresser bezeichnen. Nun wird noch das störende Wort "Arbeitszeit" weggelassen und etwas aufgerundet und man landet bei den süffigen dreieinhalb verlorenen Jahren. Deprimierend, nicht? (hjm)

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