Brauche ich eine Blockchain?

7. Juni 2019 um 09:17
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"Wahrscheinlich nicht", so die kurze Antwort an einer Konferenz. Aber...

"Wahrscheinlich nicht", so die kurze Antwort an einer Konferenz. Aber...
Unter dem Motto "Anwendungen im Reality Check" ging eine Blockchain-Konferenz von 'Finanz und Wirtschaft' Forum über die Bühne. Mit der Frage: "Brauche ich eine Blockchain?", eröffnete Roger Wattenhofer von der ETH Zürich die Veranstaltung. Die kurze Antwort des Professors und Blockchain-Forschers, "wahrscheinlich nicht". Dies heisse aber nicht, dass Blockchain nicht das Potenzial habe, ein Business zu disruptieren. Wenn man mit verschiedenen Partnern zusammenarbeite und wenn dabei Transaktionen stattfinden, dann könne der Einsatz von Blockchain durchaus sinnvoll sein.
Und so wurden im Laufe des Tages auch diverse Beispiele präsentiert, wie der Blockchain-Ansatz Geschäftsabläufe verändern und effizienter gestalten kann. Insbesondere Papier-lastige Prozesse versuchen die anwesenden Unternehmen in die Blockchain zu bringen. Sei es die Verschiffung von Containern, der Lifecycle einer Immobilie ("beim Hauskauf füllen Sie diverse Bundesordner", meinte Patrick Schnorf von Wüest Partner) oder auch die Unternehmensgründung, die im Kanton Zug mehrere Wochen dauert, wie Andreas Hess vom Zuger Handelsregister- und Konkursamt bemängelt.
Bei der Firmengründung gebe es viele Redundanzen. Diverse Parteien – vom Gründer über den Notar zur Bank – erfassen unabhängig voneinander dieselben Daten. Deshalb wurde im Blockchain-Pilotprojekt der lineare Prozess der Gründung auf eine zentrale Plattform gebracht. Tippt etwa der Gründer den Namen seiner Firma ein, steht dieser den Parteien in ihren Templates zur Verfügung, ohne dass der Name jedes Mal neu erneut erfasst werden muss. Die erste Gründung auf der Blockchain-Plattform sei im April 2018 gemacht worden und hätte in rund zwei Stunden abgewickelt werden können, so Hess.
Damit solche Projekte aber funktionieren, braucht es die Partner an Bord – ein "Ökosystem" oder ein "Konsortium" muss gebildet werden. Dies bewies sich für viele der Beteiligten als schwierig. So braucht es beim Zuger Projekt die Notare, die mitmachen müssen, oder die Banken und Versicherungen. Noch komplizierter ist es beispielsweise bei Novartis. 80'000 Lieferanten zähle der Konzern und mittels Blockchain-Technologie soll Transparenz in die Lieferkette gebracht werden. Die technische Umsetzung sei gelungen, so Marco Cuomo von Novartis, aber jetzt gehe es darum die anderen Pharmakonzerne einzubinden, die ja teilweise mit denselben Lieferanten zusammenarbeiten und die gleichen Standards fordern, was beispielsweise die Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten anbelange.
Bei Blockchain-Projekten muss man mit den Mitbewerbern zusammenarbeiten, sagt ein Besucher der Konferenz. Und dieser Schritt sei nicht zu unterschätzen. Denn schnell stellen sich Fragen um Intellectual Property oder auch die Verantwortung für Betrieb und Wartung der Blockchain-Infrastruktur. Der Aufwand, Konsortien zu bilden und Partner zu finden, sei enorm, ist man sich auch während der Panel-Diskussion einig. Best Practices fehlten. "Wir haben unser Konsortium noch nicht gefunden", sagt ein Vertreter einer Versicherung.
Die Vorteile von Blockchain-Projekten liegen auf der Hand: Prozesse effizienter gestalten, Transparenz und Vertrauen schaffen. Doch zeigt sich im "Reality Check" auch, dass der Einsatz nicht immer sinnvoll ist. Einige der präsentierten Beispiele kamen nicht über den Proof of Concept hinaus. Und für eine Hand voll der gezeigten Projekte hätte es eigentlich gar keine Blockchain gebraucht, meinte ETH-Professor Wattenhofer. (Katharina Jochum)

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