Britische Schulen: Mit Gesichts­erkennung zum Mittag­essen

19. Oktober 2021, 12:38
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In Schottland erfolgen Lunch-Zahlungen der Schüler über Facial Recognition. Das ruft Datenschützer auf den Plan.

Am 18. Oktober haben neun Schulen im schottischen Bezirk North Ayrshire damit begonnen, Zahlungen für Schulmahlzeiten zu verbuchen, indem sie die Gesichter der Schülerinnen und Schüler scannen. Dies berichtet die 'Financial Times'. Weitere Schulen sollen folgen.
Die Technologie wird vom Unternehmen CRB Cunninghams installiert, nach eigenen Angaben "ein führender Anbieter von bargeldlosen Verpflegungslösungen für den britischen Bildungsmarkt mit Schwerpunkt auf Grund- und Sekundarschulen". Dessen Geschäftsführer David Swanston sagte gegenüber der 'Financial Times' (Paywall): "Es ist der schnellste Weg, jemanden an der Kasse zu erkennen – es ist schneller als eine Karte, es ist schneller als ein Fingerabdruck."
Das neue System soll die Warteschlangen verkürzen und die Zahlungen Covid-sicherer machen. Laut Swanston wird so die durchschnittliche Transaktionszeit auf fünf Sekunden pro Schüler verkürzt. Der zuständige Rat von North Ayrshire hatte die Einführung der Gesichtserkennung im August angekündigt und erklärte, dass 97% der Kinder oder ihre Eltern der Implementierung des neuen Systems zugestimmt hätten. Die Eltern hätten ausdrücklich ihre Genehmigung erteilen müssen. Gemäss CRB Cunninghams prüfen beim eingesetzten System Kameras verschlüsselte Gesichtsvorlagen, die auf Servern an den Schulen gespeichert sind.
Andere Arten biometrischer Systeme, hauptsächlich Fingerabdruckscanner, werden seit Jahren an Schulen in Grossbritannien verwendet, auch für Zahlungen. Doch das neue System stösst auf Kritik von Datenschützern. Silkie Carlo von der NGO Big Brother Watch sagte zur 'FT': "Hier geht es darum, biometrische Identitätsprüfungen für etwas Alltägliches zu normalisieren. Sie müssen nicht auf Flughafen-Technik zurückgreifen, damit Kinder ihr Mittagessen bekommen." Zudem habe sich CRB Cunninghams bisher geweigert, "offenzulegen, an wen die persönlichen Daten von Kindern sonst noch weitergegeben werden könnten".
Auch die britische Datenschutzbehörde Information Commissioner's Office (ICO) übt Kritik. Das Datenschutzgesetz biete zusätzlichen Schutz für Kinder, betonte ein ICO-Vertreter gegenüber dem 'Guardian'. Organisationen müssten deshalb die Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit der Erhebung biometrischer Daten vor der Verwendung sorgfältig abwägen. "Unternehmen sollten einen anderen Ansatz in Erwägung ziehen, wenn das gleiche Ziel auf weniger aufdringliche Weise erreicht werden kann. Wir sind uns der Einführung bewusst und werden uns beim Rat von North Ayrshire dazu erkundigen", so die ICO.
Ein Sprecher der schottischen Regierung erklärte, dass lokale Behörden als Datenverantwortliche verpflichtet seien, die allgemeinen Datenschutzbestimmungen einzuhalten, und dass speziell Schulen gesetzlich strenge Richtlinien befolgen müssten, was die Erhebung, Speicherung und Weitergabe von Daten betrifft.

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