Im Trubel um Huawei und dem Säbelrasseln der USA stellt sich China hinter den Konzern. Man habe niemals von einem Land gehört, das ein Sicherheitsproblem wegen Huawei habe, sagte der Sprecher des Aussenministeriums, Lu Kang, in Peking.
Konkreter äusserte sich Lu nicht. Geheimdienste weltweit befürchten eine Einflussnahme durch die Regierung in Peking sowie Spionage und Störung der nationalen Netze beim Einsatz von Huawei-Ausrüstung und -Smartphones.
Trotz Kontrolle rechnet britische Behörde nur mit begrenzter Sicherheit
Das
'MIT Technology Review' hat kürzlich erklärt, was die US-Regierung und ihre Verbündeten an Huawei fürchten: Backdoors in Huawei-Lösungen könnten im Krisenfall ausländische Netzwerke deaktivieren oder mindestens die Leistung verschlechtern. Zudem könnte China oder sonstige Bösewichte Daten von Regierungen und westlichen Firmen abgreifen.
Man könnte meinen, dass sich diese Probleme regulatorisch und mit Security-Massnahmen lösen liessen. Allerdings seien die Backdoors auch bei genauen Inspektionen mutmasslich nicht zu finden, wie die britische Regierungsbehörde GCHQ meldet. Diese ist seit 2010 in einem speziellen Zentrum in Grossbritannien mit der Überprüfung von Huawei-Ausrüstung betraut. Es gebe auch nach der Kontrolle nur eine "begrenzte Sicherheit", dass Huawei-Hard und -Software keine Gefahr darstellten, so die GCHQ.
Und mit dem Rollout von 5G erwartet man laut 'MIT Technology Review' noch eine Zuspitzung der Problematik. Nicht nur lassen sich dank mehr Netzwerk-Punkten fleissiger Daten sammeln, auch eine Destabilisierung der Infrastruktur hätte stärkere Auswirkungen. Kürzlich haben Australien und
Neuseeland Huawei vom Aufbau des neuen 5G-Netzes ausgeschlossen.
Beweise für Backdoors gibt es bislang keine
Der 180'000-köpfige Konzern weist die Vorwürfe bekanntlich zurück. Aus China betonte man mehrfach, dass Huawei in privates Unternehmen sei und nicht der Regierung gehöre. Allerdings sind die politischen Strukturen und die Möglichkeiten der chinesischen Regierung ein Buch mit sieben (roten) Siegeln.
Vieles in der Causa ist also unklar. Auch die politischen Interessen und die Möglichkeiten der westlichen Geheimdienste (wie natürlich auch der chinesischen) – etwa auch mit eigenen Backdoors zu agieren – liegen wie üblich nicht offen zu Tage. Fest steht nur: Bislang gibt es keinerlei Beweise für Backdoors in Huawei-Produkten.
Die festgenommene Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou, die auch Tochter des Firmengründers ist, kämpft derweil um ihre Freilassung in Kanada. Ihr droht eine jahrzehntelange Haftstrafe wegen Iran-Geschäften, sollte sie in die USA ausgeliefert und dort verurteilt werden. Der Fall schürt an den globalen Finanzmärkten Sorgen vor einer Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen den USA und China.
Auch andere sorgen sich offenbar: Cisco habe ein internes Memo an Mitarbeiter verschickt, das sie vor Reisen nach China warne, berichtet
'The Information'. Zwar erklärte ein Manager des Konzerns laut Artikel, dass dies irrtümlich geschehen sei, aber der Vorfall zeigt zumindest, wie angespannt die Lage ist. (ts/sda)