Crypto International AG entlässt praktisch alle Angestellten

6. Juli 2020, 07:40
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Betroffen sind über 80 Personen. Fehlende Ausfuhrbewilligungen blockieren den Betrieb.

Die Crypto International AG aus dem zugerischen Steinhausen hat vergangene Woche eine Massenentlassung angemeldet. Über 80 Arbeitsplätze in der Schweiz sollen abgebaut werden. Der Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug, Bernhard Neidhart, bestätigte eine entsprechende Meldung der 'NZZ' gegenüber der Nachrichtenagentur 'Keystone-SDA'.
Das Amt sei über die Eröffnung der Konsultationsphase aufgrund einer möglichen Massenentlassung informiert worden, sagte Neidhart. Zu Einzelheiten äusserte er sich nicht.
Die 'NZZ' berichtet, dass die Firma Crypto International AG im zugerischen Steinhausen 83 der 85 Arbeitsplätze in der Schweiz abbauen will. Betroffen seien vorwiegend Spezialisten im Bereich Cyber Security. Die Entlassung erfolge, weil der Bundesrat dem Nachfolgeunternehmen der Crypto AG keine Ausfuhrbewilligung erteilen wolle. Laut Verwaltungsratspräsident Andreas Linde seien die Auftragsbücher voll, das Auftragsvolumen betrage mehrere Dutzend Millionen. Die bestellten Geräte und Applikationen dürften aber nicht ausgeliefert werden, so Linde zur 'NZZ' (Paywall).
Hinter dem Exportverbot steht die Ermächtigung der Bundesanwaltschaft (BA) durch den Bundesrat vom 19. Juni, in der Crypto-Affäre zu ermitteln, was das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) vor einer Woche laut 'SRF' bestätige.
Die BA ermittelt dem Bericht zufolge nicht wegen Spionage mithilfe von manipulierten Verschlüsselungsgeräten, sondern untersucht mögliche Verstösse gegen Exportbestimmungen. Dabei stehen sowohl die frühere Crypto AG als auch "deren Nachfolgegesellschaften" im Zentrum der Untersuchungen. Das wäre Crypto International AG, die 2018 das internationale Geschäft der Crypto AG mutmasslich der CIA abgekauft hatte. Für die BA bestehe der Verdacht, dass bei Exportgesuchen falsche oder unvollständige Angaben gemacht worden und Exporte ohne entsprechende Bewilligung erfolgt seien.
Gegenüber der 'NZZ' sagt Verwaltungsratspräsident Linde, es sei nicht möglich gewesen, die Behörden davon zu überzeugen, dass das Nachfolgeunternehmen Crypto International AG nichts mit der früheren Crypto AG zu tun habe. Die heutige Crypto International AG sei "eine völlig andere Firma", so Linde. Es gehe kaum mehr um Hardware in Form von Chiffriergeräten. Nachgefragt würden vielmehr umfassende Cyber-Security-Lösungen, etwa für den Schutz vor Hackerangriffen bei staatlichen oder halbstaatlichen kritischen Infrastrukturen. 

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