Der europäische Datenraum nimmt langsam Form an

4. Juni 2020 um 14:48
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Europa will ernst machen mit der Emanzipation von Tech-Konzernen aus den USA und China. Ein "Datenraum für Europa" soll schon 2021 live gehen.

Europa will sich von den grossen IT-Konzernen aus den USA und China emanzipieren. Zu diesem Zwecke wurde das Projekt Gaia-X ins Leben gerufen und der "Datenraum für Europa" im Herbst 2019 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Nun haben Peter Altmaier, der deutsche Wirtschaftsminister, und sein französisches Pendant Bruno Le Maire das Projekt offiziell lanciert und angekündigt: Anfang 2021 solle Gaia-X bereits produktiv sein. Altmaier begründete das Projekt laut 'Reuters' damit, dass Konsumenten und Unternehmen eine echte Wahl haben sollen, eine Alternative zu den US-Platzhirschen.
Aktuell seien rund 300 Unternehmen und Organisationen aus verschiedenen Ländern beteiligt, vom Mittelstand bis hin zum Grosskonzern, heisst es vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI). Als treibende Kräfte gelten SAP, Deutsche Telekom, Siemens, Bosch und Atos.
In einem aktuellen Papier heisst es, dass das System dezentral, offen und fair sein soll und damit digitalen Oligopolen entgegenwirke. Es soll auf einem Open-Source-Framework basieren und den Usern Daten-Souveränität sowie Sicherheit garantieren, versprechen die Initianten.
"Das auf Grundlage der Infrastruktur entstehende Ökosystem stärkt sowohl die digitale Souveränität der Nachfrager von Cloud-Dienstleistungen als auch die Skalierungsfähigkeit und Wettbewerbsposition europäischer Cloud-Anbieter", so das BMWI. Zugleich will man die Interoperabilität und Portabilität von Infrastruktur, Daten und Diensten gewährleisten, also auch den Anschluss an die grossen Anbieter – falls sich diese den europäischen Regeln anpassen.
Erst seien die Reaktionen aus den USA ablehnend ausgefallen, berichtet die Depeschenagentur 'dpa'. Mittlerweile versuchten aber IT-Riesen wie Microsoft, Amazon, IBM, Google und Alibaba Teil des Netzwerkes zu werden. In der Liste jener, die etwas zum Projekt beigesteuert haben, finden sich manche Grosskonzerne aus den USA. Laut 'dpa' soll etwa AWS besonders aktiv in den Arbeitsgruppen mitgearbeitet haben.
Das 'Handelsblatt' zitiert derweil einen Analysten von Gartner, der viele offene Fragen sieht. So etwa, wie man die verschiedenen Systeme – gerade der Hyperscaler, die oftmals ihre Kunden an die hauseigenen Plattformen binden – konkret zusammenbringt und die notwendigen zentralen Komponenten wie Identitätsmanagement, Schnittstellen und Benutzeroberflächen entwickelt und managed. 

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