Der terroristische MP3-Player

7. April 2006, 16:38
  • kolumne
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht
Abspielgeräte für digitale Musikdateien, zum Beispiel MP3-Player, sind eine gefährliche Sache. Denn waseliwas tun die BesitzerInnen dieser Gerätchen? Richtig, sie laden Musik aus dem Internet herunter, kopieren und tauschen diese und kaufen gar keine CDs mehr. Arme Musikindustrie, arme Musiker, arme Kreative überhaupt.
In einem Online-Spiel auf urheberrecht.ch, einer Informationsseite des Bundes, lernen wir: Wird der Kreative nicht vor den Ideenpiraten (Bild) geschützt, so heisst es bald: "und steht schon morgen ab 7 Uhr in der Fabrik." In der Fabrik? Der Kreative, der das Spiel kreiert hat, dürfte seine Nase nicht allzu oft allzu weit von seinem Bildschirm entfernen, denn sonst wüsste er: Fabrikjobs gibt's schon lange nicht mehr - beraubte Kreative verkaufen an regnerischen Samstagen Cablecom Digital TV vor der Migros.
Deshalb bastelt die Industrie an unknackbaren DRM-Systemen (Digital Rights Management - vulgo: Kopierschutz) herum und die Schweiz an einem neuen Urheberrechtsgesetz. Die Herstellung oder der Import von Systemen, mit deren Hilfe man DRM-Systeme umgehen kann, soll verboten und mit hohen Strafen (bis zu einem Jahr Gefängnis) belegt werden.
Höre nie "The Clash" in einem britischen Taxi
Der massenhafte Raub von Kunst und Gedankengut ist nicht die einzige Gefahr, die von einem MP3-Player ausgehen kann. Der aus Asien stammende Handy-Verkäufer Harraj Mann nämlich, wurde wegen eines solchen Gerätchens gar des Terrorismus verdächtigt, wie die britische Gratiszeitung "Metro" am Mittwoch wusste.
Der arme Harraj fuhr per Taxi an den Flughafen Durham, um nach London zu fliegen. Im Taxi steckte er seinen MP3-Player in das Soundsystem des Wagens und hörte sich erst ein Stück von Procol Harum (wääk) an, dann eines von Led Zeppelin (naja) und zum Schluss - das war definitiv falsch - "London Calling" (lüpfig) von den "Clash".
Die Polizei holte ihn noch vor dem Start aus dem Flugzeug und befragte ihn während Stunden gemäss den britischen Antiterror-Gesetzen. Er verpasste seinen Flug, denn der Taxifahrer hatte die Polizei über den verdächtigen Sound seines Gastes informiert.
Was lernen wir daraus? Asiaten sollten nicht im Taxi auf dem Weg zum Flughafen ohne Kopfhörer "The Clash" hören. Und schon gar nicht den Klassiker London Calling. (Christoph Hugenschmidt)

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