Die Post schnappt sich Dialog-Verwaltungs-Data

16. November 2021, 15:31
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Der Gelbe Riese möchte sich auch im Bereich Gemeindesoftware breit machen.

Die Schweizerische Post hat bekannt gegeben, dass sie per 15.11.2021 den Baldegger Gemeinde-Softwareanbieter Dialog Verwaltungs-Data übernommen hat. Den Preis und andere Konditionen der Übernahme wollen die beiden Unternehmen nicht verraten.
Dialog Verwaltungs-Data beschäftigt gegenwärtig 63 Mitarbeitende und 3 Lernende. Gemäss Post werden alle Angestellten übernommen. Dialog soll auch als Tochterunternehmen der Post weiterhin als eigenständiges Unternehmen agieren. Für die Mitarbeitenden von Dialog verändere sich durch die Übernahme nichts, sie würden auch in Zukunft bei Dialog beschäftigt sein.
Man wolle, so begründet die Post die Übernahme, innerhalb seines neuen Segments Kommunikations-Services in Zukunft auch öffentlichen Verwaltungen umfassende digitale Services für ihre digitale Transformation anbieten. Mit der Übernahme von Dialog sichere sich die Post wichtiges Know-how im Umfeld von digitalen Behördenleistungen, statt es sich über Jahre selbst anzueignen.

Noch verbrennt die Post Geld mit Digitalem

Die Post ist intensiv darum bemüht, in ihrem neuen Segment "Kommunikations-Services" eine ganze Reihe von digitalen Services aufzubauen, welche ihre physischen Services ergänzen sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der gelbe Riese auch bereit, viel Geld zu investieren und in diesem Segment vorerst tiefrote Zahlen zu schreiben. Wie dem aktuellen Geschäftsbericht zu entnehmen ist, erzielte das Segment Kommunikations-Services im dritten Quartal 2021 einen Umsatz von 14 Millionen Franken und machte 40 Millionen Franken Verlust.
Alex Glanzmann, Chief Revenue Officer der Post, sagt, dass man dies nicht anders erwarte: "Wir wollen den Kunden einfache und sichere digitale Lösungen bieten. Dazu wird der Bereich Kommunikations-Services weiter aufgebaut. In dieser Phase gehören Vorleistungen und höhere Aufwendungen dazu. Das negative Ergebnis liegt in unseren Erwartungen, soll sich aber in den kommenden Jahren kontinuierlich reduzieren."

Was sagt wohl die Konkurrenz?

Um den Bereich Kommunikations-Services zu stärken, hat die Post in letzter Zeit bereits einige andere Übernahmen getätigt. Im Juli kaufte sie beispielsweise das Filesharing-Unternehmen Tresorit  und im letzten Jahr übernahm sie die Mehrheit der Aktien des KMU-Business-Softwareanbieters Klara.
Mit ihren neuen digitalen Services konkurrenziert die Post als Staatsunternehmen natürlich auch Privatfirmen, die ähnliche Produkte und Services anbieten. Dies hat bereits für Aufmerksamkeit bei Politikern  und auch zu Klagen durch Privatunternehmen geführt, welche die neue Konkurrenz zu spüren bekommen.
Der St.Galler Business-Software-Hersteller Abacus Research beispielsweise hat eine Beschwerde bei der Eidgenössischen Post-Aufsichtsstelle Postcom wegen der Übernahme der Mehrheit von Klara eingereicht. Bald soll auch noch eine Anzeige bei der Weko folgen.
Abacus wird nun auch an der Übernahme von Dialog Verwaltungs-Data durch die Post wohl kaum Freude haben. Denn neben Abraxas / VRSG und der 2018 von Axians IT&T übernommenen Firma Ruf Informatik gehören auch die Abacus-Lösungspartner Innosolv (Innosolvcity) und KMS (Nest Steuern) zu den Konkurrenten von Dialog. 
Update: Firmen- und Produktnamen wurden im letzten Abschnitt angepasst. 

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