Durchbruch? Finnova gewinnt erste Privatbank

12. Januar 2007, 18:02
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Genfer KB entscheidet sich samt Privatbank-Tochter für Finnova. Unicible wird Integrator und Hoster - Partnerschaft mit Avaloq kurz vor Abschluss.

Genfer KB entscheidet sich samt Privatbank-Tochter für Finnova. Unicible wird Integrator und Hoster - Partnerschaft mit Avaloq kurz vor Abschluss.
Kommuniziert wurde es bereits Mitte November - nur hat es keiner gemerkt: Die Genfer Kantonalbank wird für sich wie auch für die Privatbank-Tochter Anker Bank und für Synchrony Asset Management die Gesamtbankenlösung Finnova einführen. Für den Lenzburger Software-Hersteller ist der Gewinn der BCGE (Banque Cantonal de Genève) und der Töchter ein sehr wichtiger Schritt, wie Finnova-Chef Charlie Matter im Gespräch mit inside-it.ch sagte. Er hatte den (Wieder)Einstieg in das Geschäft mit Privatbanken vor genau einem Jahr im Gespräch mit inside-it.ch als vordringliches Ziel genannt.
Bereits letztes Jahr haben sich zwei weitere Banken, nämlich die Walliser und die Neuenburger KB, die bisher "Osiris" von Unicible einsetzten, für Finnova entschieden. Den Lenzburgern wird damit die Arbeit nicht ausgehen.
"Mit der BCGE können wir nun eine weitere grosse Kantonalbank mit einem starken Wertschriftengeschäft als Kunden vorweisen. Mit der Anker Bank haben wir - ist das System eingeführt - auch wieder eine Privatbank als Kunden und mit Synchrony einen grossen Vermögensverwalter," so Matter. Finnova könne die benötigten Funktionen für eine Privatbank abdecken, während es für die BCGE noch gewisse Zusatzentwicklungen brauche, sagt Matter.
BCV bleibt als Osiris-Anwender alleine
Damit wird die Waadtländer Kantonalbank (BCV) bald als einziger Anwender des Systems "Osiris" von Unicible übrig geblieben sein. Wie BCV-Sprecher Christian Jacot-Descombes in einem knapp gefassten E-Mail schreibt, werde die BCV kurzfristig auf Osiris setzen. Für die Zukunft habe die Bank, deren Komplexität sich mit der ZKB vergleichen lässt, drei Optionen. Man entwickle entweder Osiris weiter, passe andernfalls ein Kernbankensystem wie Avaloq oder Finnova an oder werde bezüglich IT-Systeme mit einer anderen Bank kooperieren.
Ob die Waadtländer KB im Besitz von Unicible, mit 400 Mitarbeitenden immerhin einer der grösseren IT-Betriebe in der Schweiz, hänge von der künftig gewählten Strategie ab, so Jacot-Descombes.
Dass die BCV als einziger Kunde "Osiris" (und 100-prozentiger Besitzer von Unicible) weiterhin verwendet, dürfte auf der Kostenseite problematisch sein, lassen sich doch die Aufwände für Anpassungen nicht mehr auf mehrere Banken verteilen.
Unicible erklärt Strategie
Bei Unicible ist man sich dieser Problematik sehr bewusst, wie aus einem langen Telefonat mit Unicible-Sprecher Patrice Bourgoz hervorging. Um die Lebensdauer von "Osiris" zu verlängern, habe man gezielt begonnen, das Produkt zu modularisieren. So wurde der Zahlungsverkehr aus dem System herausgelöst und ist nun ein eigenständiges Modul. Mit dieser Strategie könne man bei neuen Funktionalitäten flexibel entscheiden, ob man ein Produkt auf dem Markt kaufen will, oder ob man eine moderne eigene Lösung entwickelt. Er könne nicht definitiv sagen, ob die Modularisierung die Kostennachteile für BCV vollständig kompensiere, sagt Bourgoz. Doch sei er sicher, dass die Verteuerung von Osiris mindestens zu einem guten Teil wettgemacht werde. Dass vermehrt Module und Drittprodukte auf Standard-Rechnern und nicht mehr auf dem Hostrechner "gefahren" werden, trage zur Kostensenkung bei, so Bourgoz.
Daneben versucht Unicible, sich als Dienstleister für Implementiation und Outsourcing für weitere Banken im Markt zu etablieren. Nicht ohne Erfolg: Die BCGE hat den Auftrag für Einführung und Betrieb von Finnova an Unicible vergeben.
Unicible strebt ebenfalls eine Partnerschaft mit Avaloq an, die im Herbst 2005 auffallend vorsichtig angekündigt worden war. Diese stehe nun kurz vor der Finalisierung, sagt Bourgoz. Unicible habe die nötige Grösse, um Kompetenzen mit zwei verschiedenen Kernbankensystemen aufzubauen und so den Kunden eine Wahl zu bieten, so Bourgoz.
Unicible wird sich also von einem Dienstleister, der für wenige Kunden ein System betreibt und weiter entwickelt, zu einem Dienstleister entwickeln, der für (potentiell) viele Kunde mehrere Systeme implementiert und betreibt. Eine Strategie, wie man sie auch von T-Systems mit dem RZ in Chur und von SCIS (AGI, Comit) her kennt.
Spannend wird die Frage, für welchen Weg sich die BCV langfristig entscheidet. Je nachdem wie der Entscheid ausfällt, könnte in ein paar Jahren ein Verkauf von Unicible anstehen. (Christoph Hugenschmidt)

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