Ericsson kriselt weiter, "aber nicht in der Schweiz"

18. Juli 2017, 11:33
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Erneut ein Quartalsverlust beim Netzwerk-Ausrüster, der Sparkurs soll verschärft werden. Das Schweizer Geschäft aber ist stabil, so der Chef.

Erneut ein Quartalsverlust beim Netzwerk-Ausrüster, der Sparkurs soll verschärft werden. Das Schweizer Geschäft aber ist stabil, so der Chef.
Ericsson kriselt weiterhin: Im zweiten Quartal 2017 musste der schwedische Netzwerkausrüster einen Verlust von einer Milliarde schwedischen Kronen (115 Millionen Franken) bilanzieren, wie das Unternehmen mitteilt. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,6 Milliarden Kronen eingefahren.
Ericsson bekundet seit einiger Zeit Mühe in verschiedenen Bereichen. Der Umsatz ging auf 5,74 Milliarden Franken zurück (minus 8 Prozent). Ohne Währungseffekte sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen gerechnet, wäre er um 13 Prozent gesunken. Die wichtige, um Sonderposten bereinigte Bruttomarge lag mit 29,8 Prozent niedriger als laut 'Channel Observer' dies Analysten erwartet hatten.
Das operative Ergebnis ging global um satte 93 Prozent auf 38 Millionen Franken zurück, dies ohne Umbaukosten für das schon länger laufende Sparprogramm einzurechnen.
"Schweizer Geschäft ist sehr stabil"
Auch in Europa gingen die Sales-Zahlen Year-over-Year um elf Prozent zurück, da die 4G-Modernisierungen mehrheitlich abgeschlossen seien.
Schweizer Zahlen gibt Ericsson Schweiz keine bekannt. Aber in der Schweiz sei das Geschäft sehr stabil, sagt der hiesige Ericsson-Geschäftsführer Martin Bürki auf Anfrage. "Es gibt keine dunklen Wolken am Horizont." Der Share-Preis habe für die Schweiz keine Relevanz, "wir sind lean aufgestellt".
Weltweit hingegen kündigt CEO Börje Ekholm an, den Sparkurs nochmal verschärfen. Bis Mitte 2018 sollen die jährlichen Kosten um mindestens 1,15 Milliarden Franken sinken.
Zu den angekündigten Massnahmen gehören 42 Managed-Services-Verträge, welche Ericsson entweder neu verhandeln oder umwandeln will, sonst hält man sich die Option "Exit" offen. In der Schweiz sind diese Verträge nach der Vertragsauflösung mit Salt letztes Jahr kein Thema, so Bürki, in unseren Nachbarländern aber schon.
IT-&-Cloud-Roadmap wird "stabilisiert"
Der Bereich IT & Cloud habe "ein weiteres, herausforderndes Quartal mit beträchtlichen Verlusten" hinter sich, so die Ericsson-Mitteilung weiter. Der Bereich ist im 5G-Kontext zwar strategisch bedeutend, aber Ericsson muss über die Bücher: Man werde die Produkt-Roadmap "stabilisieren", nicht genügend rentable Kundenprojekte überarbeiten, neue Produkte sind ebenso ein Thema wie Kostenreduktion beim Service-Delivery.
"Das Thema ist Neuland", so Bürki zu inside-it.ch, aber man habe nun eine bessere Einschätzung, wie was zu beurteilen sei und könne das Portfolio bereinigen. Relevante Produkte würden im Rahmen der "Stabilisierung" keine gestrichen. "IT und Cloud bleiben wichtige Stossrichtungen."
Für den Standort Schweiz versucht Bürki, viel Optimismus zu verbreiten. In der Schweiz sei man in der 5G-Vorphase mit Swisscom sehr gut unterwegs, die enge Zusammenarbeit mit einem permanenten Ericsson-Team bei Swisscom sei aussergewöhnlich in der Industrie.
Und von aus der Zusammenarbeit resultierenden Innovationen profitiere nicht nur der Ericsson-Standort Schweiz, sondern auch Ericsson weltweit. Als Beispiel dienen kleine Mobilfunk-Antennen in bestehenden Kabelschächten, von Swisscom 2015 als "Weltneuheit" bezeichnet.
Entsprechend will der Schweizer Chef den Bereich IT & Cloud sogar leicht ausbauen, primär mit Leuten, die die Landessprachen sprechen.
Global gesehen würden, so die Konzern-Mitteilung, die R&D-Kosten steigen, aber nur vorübergehend, die Effizienz der Forschungsabteilung müsse sich ebenso verbessern.
Für 2017 warnte das Unternehmen bereits, dass die Reorganisation weltweit bis zu 918 Millionen Franken kosten könnten. Zusätzlich droht offenbar, dass Schwierigkeiten bei Projekten die Ergebnisse mit 344 bis 574 Millionen Franken belasten könnten. (Marcel Gamma)

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