Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz haben 16 internationale Unternehmen die Trusted Tech Alliance (TTA) gegründet. Ihr Ziel sei die Zusammenarbeit an einem vertrauenswürdigen Technologie-Stack über Grenzen hinweg, heisst es in einer Mitteilung der Allianz.
Die IT-Firmen Anthropic, AWS, Cassava, Cohere, Ericsson, Google, Microsoft, Nokia, Nscale, NTT und SAP zählen zu den Gründungsmitgliedern der Allianz. Hinzu kommen der niederländische Halbleiterzulieferer ASML, der südkoreanische Mischkonzern Hanwha, der indische Technologiekonzern Jio Platforms, der japanische Halbleiterhersteller Rapidus und der schwedische Autobauer Saab. Sie alle haben sich fünf Prinzipien verpflichtet:
- Transparente Unternehmensführung und ethisches Verhalten
- Transparente Betriebsabläufe, sichere Entwicklung und unabhängige Bewertung
- Robuste Lieferkette und Sicherheitsüberwachung
- Integratives, kooperatives, offenes und widerstandsfähiges digitales Ökosystem
- Achtung des Datenschutzes und der Rechtsstaatlichkeit
Die Mitglieder verpflichten sich ferner dazu, mit Kunden und Regierungen zu kooperieren. So wollen sie den eigenen Angaben zufolge dafür sorgen, dass neue Technologien eine breitere öffentliche Akzeptanz finden, Arbeitsplätze entstehen und das Wirtschaftswachstum angetrieben wird.
Lippenbekenntnisse treffen Gesetzeszwänge
Der CEO von Ericsson, Börje Ekholm, umreisst anlässlich der Gründung der TTA die Beweggründe: "Kein einzelnes Unternehmen oder Land kann allein einen sicheren und vertrauenswürdigen digitalen Technologie-Stack aufbauen. Vielmehr können Sicherheit und Vertrauen nur gemeinsam erreicht werden."
Über die Ausgestaltung der kooperativen Bemühungen machen die Firmen in der Mitteilung allerdings keine Angaben. Ob beispielsweise künftig Rapidus-Chips in AWS-Rechenzentren präferiert zum Einsatz kommen oder Jio vermehrt auf Netzwerktechnologie von Ericsson setzt, bleibt offen. Vor diesem Hintergrund erscheint TTA als eine Initiative, die grosse Firmen unter einem Dach vereint, das allerdings weder Schutz (vor staatlichen Eingriffen) bietet, noch den Kunden einen konkreten Mehrwert verspricht – durch tiefere Preise beim Kauf von Lösungen anderer Allianzmitglieder etwa.
An der Münchner Konferenz hätte TTA ein Signal senden können für zum Beispiel mehr Datenschutz und Sicherheit im virtuellen Raum. "In dem aktuellen geopolitischen Umfeld ist es entscheidend, dass gleichgesinnte Unternehmen zusammenarbeiten, um die Sicherheit zu schützen, hohe globale Standards voranzutreiben und das Vertrauen in Technologie über Grenzen hinweg zu wahren", tönt es Microsoft President Brad Smith an. Die gemeinsamen Grundsätze können für die beteiligten US-Unternehmen jedoch beispielsweise wegen des "US Cloud Acts" nicht bindend sein, aller Grundsätze zum Trotz.