ETH Zürich eröffnet Zentrum für künstliche Intelligenz

20. Oktober 2020, 10:19
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"Eine grossartige Chance für Zürich, die Schweiz und Europa."

Die ETH Zürich hat am heutigen 20. Oktober 2020 ein neues Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz (KI) eröffnet. Auch die Website des Zentrums ist seit heute online.  Das "ETH AI Center" hat vorerst die Unterstützung von 29 Professuren aus sieben Departementen, und ein eigenes Fellowship-Programm. In diesem Jahr sollen dort rund 10 bis 15 Doktorierende starten, später sollen es deutlich mehr werden.
Der Hochschule ist es wichtig, dass das Team des AI-Zentrums auch physisch nahe zusammen ist und so einen dauernden Austausch pflegen kann, zumindest, sobald die Covid-19-Situation dies zulässt.
Das AI-Center hat bereits 250 Quadratmeter an der ETH Zürich bezogen. Weitere 980 Quadratmeter folgen im "Andreasturm" beim Bahnhof Oerlikon. Die Hochschule rechnet damit, dass "in naher Zukunft" über 100 Professuren beim KI-Zentrum mitarbeiten. "Das Projekt ist auf Wachstum ausgelegt", sagte Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung an der ETH, heute an einer Pressekonferenz.
Das Zentrum soll der Entwicklung von KI-Systemen zum Nutzen der Gesellschaft dienen, erklärte Günther. Es gehe darum, Algorithmen zu schaffen, die aus Daten lernen können. An der ETH soll dabei besonderes Augenmerk auf nachvollziehbare Algorithmen gelegt werden. Dies sind Machine-Learning-Algorithmen, deren Entscheidungen, im Gegensatz zu den heutzutage weit verbreiteten "Black-Box"-Algorithmen, von Menschen analysierbar und überprüfbar sind.
Im neuen Zentrum soll sowohl zur künstlichen Intelligenz geforscht als auch in diesem Bereich ausgebildet werden – und zwar über Departementsgrenzen hinweg. Darüber hinaus sollen dort auch ethische, gesellschaftliche und politische Auswirkungen der "Schlüsseltechnologie" künstliche Intelligenz untersucht werden.
Die Technologie, die etwa Muster in komplexen, uneinheitlichen Datensätzen erkennen kann, spiele mittlerweile in vielen Disziplinen ein Rolle, sagte Detlef Günther. Die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Technologien ginge darum über die jeweiligen Fachgebiete hinaus.

"Grossartige Chance für Zürich, die Schweiz und Europa"

KI-Technologien, so fügte Professor Andreas Krause, der Vorsteher des Zentrums an, seien deshalb ein zentraler Knotenpunkt für alle Bereiche, in denen an der ETH geforscht wird. Krause erwartet, dass das Zentrum mehr ETH-Spin-Offs generieren wird, Hilfe für die Wirtschaft leisten und die öffentliche Diskussion ankurbeln kann. Die Technologien müssten zudem aus der Hochschule in die Gesellschaft getragen werden, um neue Anwendungsfelder zu erschliessen.
Eine der zentralen Figuren im AI-Zentrum wird laut Krause die Professorin Julia Vogt sein. Diese bezeichnete das neue Zentrum als "grossartige Chance für Zürich, die Schweiz und Europa".
Julia Vogt stellte als Beispiel für die Erfolge, die interdisziplinäre Zusammenarbeit bringen kann, eine an der ETH durch Machine Learning entwickelte App vor. Diese kann sagen, wie hoch bei einem Neugeborenen das Risiko für eine schwere Gelbsuchterkrankung ist. Die App soll verhindern, das Neugeborene, für die ein hohes Erkrankungsrisiko besteht, zu früh nach Hause entlassen werden.
Das Besondere an der App, das medizinischem Personal online zur Verfügung steht, sei, dass sie dazu lediglich vier Eingaben braucht, so dass in Windeseile ein Resultat vorliegt. Ursprünglich analysierte das Tool hierfür 44 verschiedene Charakteristika. Durch Machine Learning konnte das System aber herausfinden, dass nur vier davon für eine Prognose ausreichen.

ETH vernetzt sich international

Die ETH will sich auch auf europäischer Ebene im Bereich der KI-Forschung stärker als bisher vernetzen. Sie beteiligt sich mit ihrem neuen Zentrum am Aufbau der europäischen Initiative "European Lab for Learning and Intelligenz System (Ellis)", wie es an der Präsentation hiess.
Die ETH forsche seit zwei Jahrzehnten verstärkt im Bereich Computerwissenschaften. Die Hochschule habe so eine "unglaubliche Stärke" in der Grundlagenforschung erreicht, sagte Günther.
Unter den Studierenden aller Departemente steige die Popularität von KI-Kursen stark an. So besuchten 2020 über 4000 Studierende entsprechende Kurse. Vor fünf Jahren waren es noch gut 1000 Studierende.

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