EU will die Zahl der ICT-Fachleute mehr als verdoppeln

16. November 2021, 16:59
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Die EU hat den Fachkräftemangel als grosses Hindernis ausgemacht. Bis 2030 sollen 117 Milliarden Euro in die digitale Transformation fliessen. Wir haben die Schweizer ICT-Ausgaben damit verglichen.

In der EU arbeiteten im letzten Jahr 8,4 Millionen ICT-Fachleute. Das sind 600'000 Spezialisten mehr als noch 2019. Zugleich bekundete über die Hälfte der Unternehmen in der Europäischen Union Schwierigkeiten bei der Rekrutierung im ICT-Bereich. Dies geht aus dem "Digital Economy and Society Index" (DESI) hervor, den die EU-Kommission veröffentlicht hat.
Der Fachkräftemangel wurde als grosses Hindernis für die digitale Transformation ausgemacht. Die EU hat sich laut einer Mitteilung nun das Ziel gesetzt, ihre ICT-Fachleute bis 2030 auf 20 Millionen Personen zu erhöhen. Das ist mehr als eine Verdoppelung des Bestands. Dazu beitragen soll auch eine Verringerung des Gender-Gaps: Derzeit sind bloss 19% der ICT-Fachleute Frauen.
Dafür will die EU viel Geld in die Hand nehmen. Die Mitgliedsstaaten hatten bereits beschlossen, einen Teil des im Februar verabschiedeten Konjunkturprogramms über 724 Milliarden Dollar in die Digitalisierung zu investieren. Rund 20 Milliarden Euro davon sollen in digitale Kompetenzen fliessen, wozu neben der Vergrösserung des Fachkräfte-Reservoirs auch die Verbesserung digitaler Kenntnisse in der Bevölkerung zählt.
Zudem soll die Versorgung mit Internet verbessert werden: 59% der EU-Haushalte verfügten 2020 über Gigabit-Netze, im Jahr davor waren es noch genau 50%. Um weitere Haushalte zu erschliessen, sieht die EU 13 Milliarden Euro vor. Mit zusätzlichen 18 Milliarden sollen Forschung und Entwicklung sowie "digitale Kapazitäten" gefördert werden. Ein Viertel der EU-Firmen nutzt laut dem DESI-Index bereits Cloud-Technologien. Bis 2030 sollen 75% "fortschrittliche Technologien nutzen, wozu neben Cloud auch Künstliche Intelligenz und Big Data zählen.

Der Vergleich mit der Schweiz

43 Milliarden Euro sollen schliesslich in digitale Behördendienstleistungen fliessen. Insgesamt hat die EU 117 Milliarden Euro für die Digitalisierung vorgesehen. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsleistung der "EU-27" lag 2020 mit 13,35 Billionen Euro fast 18-mal höher als jene der Schweiz. Hierzulande würde die Summe also bei rund 6,5 Milliarden Euro, also rund 6,9 Milliarden Franken liegen.
Auch in der Schweiz sind die Probleme mit dem Fachkräftemangel, den wenig digitalen KMU und den teilweise rudimentären digitalen Behördendienstleistungen ähnlich gelagert. Die Behebung der Hindernisse liegen grossteils in den Händen der Kantone. Kürzlich hat die Finanzkommission des Nationalrates die Regierung aufgefordert, diese bei entscheidenden Projekten zu unterstützen. Schliesslich sehen sich viele Gemeinden im Hintertreffen. Die Regierung selbst hatte im August um Erlaubnis gebeten, wichtige Digitalisierungsprojekte mit Geldspritzen beschleunigen zu können und eine entsprechende Vernehmlassung eröffnet. Aber wo steht die Schweiz im Vergleich mit der EU in Sachen Budgets?
Im April 2020 hatte der Bundesrat die IKT-Strategie bis 2023 abgesegnet. Die Strategie "Digitale Schweiz" wurde bereits im Herbst 2018 verabschiedet. Budgets finden sich in diesen nicht, eine Vergleichsgrösse bieten allenfalls die IKT-Ausgaben des Bundes: Diese betrugen laut Finanzplan im letzten Jahr 1,23 Milliarden Franken, für 2021 geht der Bund von 1,26 und für 2022 von 1,37 Milliarden aus. Die Zunahme der Ausgaben wird auf Schlüsselprojekte für die Digitalisierung zurückgeführt, wobei Grossprojekte wie Superb noch nicht vollständig berücksichtigt werden konnten. Zählt man den Schnitt von 2021 und 2022 zusammen, kommt man über die rund 8 Jahre bis 2030 auf eine Summe von 10,5 Milliarden Franken. Darunter fallen neben den IKT-Leistungen aber auch Personalaufwände der internen Leistungserbringer in den Bereichen Digitale Transformation, Cybersicherheit und IKT-Lenkung. Der Vergleich mit den EU-Budgets ist also mit Vorsicht zu geniessen.

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