Exklusiv: Deutscher Konzern wird wichtiger Aktionär von Netcetera

8. September 2020, 09:21
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CEO Andrej Vckovski erklärt, was der Investor Giesecke+Devrient seiner Firma bringt und was die Folgen sind.

Der Münchner Security-Konzern Giesecke+Devrient (G+D) steigt als Investor bei Netcetera ein. Es handle sich um eine wesentliche Minderheitsbeteiligung, präzisiert Andrej Vckovski, CEO und Mitgründer von Netcetera, am Telefon.
Zur Höhe des Anteils und finanziellen Details sei Stillschweigen vereinbart worden, sagt er.
Es gebe zwei Gründe, wieso das Investment von G+D für Netcetera wichtig sei. Erstens erhalte die Firma in einer Wachstumsphase das nötige Kapital, um sich mit seinen Produkten weltweit etablieren zu können und dies schneller, als es für die Zürcher alleine möglich wäre.
Zweiter zentraler Vorteil der Beteiligung, so Vckovski, sei die damit verbundene strategische Partnerschaft mit dem Hersteller von Lösungen zur Absicherung von Zahlungsvorgängen, Identitäten, Konnektivität und Daten.
"Wir haben uns in den letzten Jahren vom reinen IT-Dienstleister zur Produkt-Company entwickelt." Dies sei bekanntlich ein anspruchsvoller Weg und der Produktmarkt sei heute global. "Wer mit einem Produkt erfolgreich sein will, der muss den Anspruch haben, international Marktführer zu werden", sagt Vckovski.
Beispielsweise in den USA und China könne G+D eine zentrale Rolle spielen und dort werde die Beteiligung helfen, Netcetera-Produkte schneller zu etablieren, zeigt sich Vckovski überzeugt.
Die Firma gehört nämlich zu den Marktführern im SIM-Karten-Markt inklusive der neuen Generation von eSIM-Karten, und dies seit längerem: So hat das Traditionsunternehmen, 1852 als Banknoten-Druckerei gegründet, sich längst in digitalen Märkten etabliert und beispielsweise 1998 die erste SIM-basierte Mobile-Banking-Lösung gebaut.
"Plastikkarten" sind heute Computer und dienen auch der Identifikation, sodass die Stärken von G+D im Hardware-Bereich und die Netcetera-Stärken im Software-Bereich sich gut ergänzen würden. Dabei sei im Bereich "Digitale ID-Produkte" nicht nur der offensichtliche Service – das Bezahlen – interessant, sondern auch Märkte wie Gesundheit oder öffentlicher Verkehr benötigten sichere Lösungen.

Konzern und Netcetera – geht das?

Nun ist eine deutsche Firma mit über 11'000 Mitarbeitenden und 2,45 Milliarden Umsatz an Netcetera mit 650 Mitarbeitenden und 73 Millionen Franken Umsatz beteiligt. Wie passt das kulturell zusammen?
Gut, sagt Vckovski, "G+D ist uns in vielen Punkten ähnlich". Die Firma sei wie seine Firma vom Engineering getrieben und halte Qualität hoch, sagt er. "Ich war zuerst auch unsicher, aber im Gespräch haben wir ihre Werte gespürt und es zeigte sich, dass wir kompatibel sind."
G+D wird Einsitz in den Netcetera-Verwaltungsrat nehmen und nicht stiller Teilhaber sein. Aber die Schweizer bleiben als Firma unabhängig, dies sei das Commitment des Konzerns.
Dies sei auch bei Secunet Security Networks der Fall, einem börsennotierten deutschen IT-Security-Anbieter, dessen Hauptaktionär G+D ist.
Die ersten Resultate der Partnerschaft sollen rasch sichtbar werden. Primär geht es darum, die Vertriebsaktivitäten zu koordinieren, also wird G+D auch Netcetera-Lösungen zur Absicherung von Transaktionen anbieten.
Bis zu einem gemeinsamen Produkt des deutschen Hardware- und Schweizer Software-Herstellers dürften aber noch mehrere Jahre ins Land ziehen, prognostiziert der Netcetera-Chef.
Und was bedeutet der neue Investor für ihn selbst als CEO und Mitgründer? Er werde mehrere Jahre die neue Partnerschaft begleiten, es handle sich nicht um eine rasche Nachfolgeregelung, erklärt er. Es sei seit einiger Zeit klar gewesen, dass ein solcher Schritt zur Beschleunigung des Wachstums nötig sei. "Und in ein paar Jahren global tätig zu sein und eine wichtige Position zu erreichen ist doch cool!"
"Netcetera blickt auf eine beeindruckende Unternehmensentwicklung zurück. Wir sehen in unserem jeweiligen Portfolio viele Anknüpfungspunkte und sind überzeugt, dass beide Unternehmen von dieser Beteiligung stark profitieren", lässt sich Ralf Wintergerst, Group CEO von G+D, zitieren.

Wie weiter mit der Reorg von Netcetera?

G+D, so erklärt Vckovski, trage auch die zweite grössere Änderung bei Netcetera mit. Nämlich die im letzten Herbst angestossene Reorganisation. Mit dieser will die Firma agiler werden, Hierarchien noch weiter verflachen und Entscheidungen sollen vor allem in den Bereichen fallen, "in denen der Impact ist". Dieser Prozess werde nun weiter vorangetrieben.
Kurz vor dem 25-jährigen Jubiläum stellt Netcetera die Weichen für eine längerfristige, nachhaltige Zukunft, ist Vckovski überzeugt.

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