Facebook-Hearing: Jetzt legt Zuckerberg Antworten vor (teilweise)

18. Juni 2018, 13:49
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2000 Fragen wurden in den US-Hearings an Facebook gestellt. Auf rund 450 Seiten finden sich ein paar interessante Antworten.

2000 Fragen wurden in den US-Hearings an Facebook gestellt. Auf rund 450 Seiten finden sich ein paar interessante Antworten.
Mark Zuckerberg, beziehungsweise Facebook, hat in zwei Dokumenten Antworten auf die Fragen der beiden Hearings geliefert. Es sind jene Fragen, die Zuckerberg nicht live beantworten konnte oder wollte.
Das U.S. Senate Committee on the Judiciary erhielt 225 Seiten (PDF) zu Gemüte führen.
Einige Antworten auf interessante Fragen:
Zu Cambridge Analytica entdeckt man wenig. Der Konzern hält fest, Mark Zuckerberg habe erst im März 2018 aus den Medien vom Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica erfahren, so das Statement.
Zum Business-Modell gibt es wenig Erhellendes. Gar keine Antwort gibt es auf die Frage, mit wie vielen zahlenden Usern für eine werbefreie Version von Facebook der Konzern rechne. Offenbar zu wenig, darf man in die Floskeln hineininterpretieren.
Basierend auf Userfeedback will Facebook am aktuellen Businessmodell mit gezielter Werbung festhalten. Und ein totales Opt-out für Werbung wird abgelehnt.
Aus Facebook-Sicht sind auch Monopol-Vorwürfe unberechtigt, man habe in jeder Funktionalität mehrere Konkurrenten, sei es beim Foto- oder Videosharing oder bei Messengern. Man habe auch kein Monopol in Sachen Werbung, im Gegenteil, man sei ein kleiner Player mit sechs Prozent Anteil am Werbekuchen, global gerechnet.
Etwas konkreter wird der Konzern mit Antworten, wenn es um das Tracking geht. Facebook nutzt den SMS-Verlauf nicht, um interessenbezogene Anzeigen zu schalten. Hingegen würden Anruf- und SMS-Logdaten als Opt-In-Variante im Messenger oder Facebook Lite auf Android angeboten und entsprechend genutzt.
Was Facebook trackt und was nicht
Trackt Facebook Menschen, welche keine User sind? "Ist die Person, die eine Website mit Facebook-Tools besucht, kein registrierter Facebook-User, so hat Facebook keine Informationen, die diese Person identifizieren. (…) Wir erstellen keine Profile von Nicht-Facebook-Usern."
Andersherum ist das natürlich für User, die getrackt werden, auch wenn sie ausgeloggt sind. Aber Facebook beteuert, man würde diese Daten nicht beiziehen für die Auslieferung von "Targeted Ads".
Was wird denn getrackt? So die Antwort:
- Geräteattribute: Informationen wie Betriebssystem, Hardware und Software-Versionen, Akkustand, Signalstärke, verfügbarer Speicherplatz, Browsertyp, App und Dateinamen und -typen sowie Plugins.
- Geräteoperationen: Informationen über Operationen und Verhaltensweisen von Usern mit Browserfenster und Mausbewegungen (um Menschen von Bots zu unterscheiden).
- Identifikatoren: eindeutige Identifikatoren, Geräte-IDs und andere Daten, Apps oder Konten, die Benutzer verwenden, und IDs von Familiengeräten (oder andere eindeutige IDs), die mit demselben Gerät oder demselben Konto verknüpft sind).
- Gerätesignale: Bluetooth-Signale und Informationen zu Wlan-Zugangspunkten in der Nähe und Mobilfunkmasten.
- Daten aus den Geräteeinstellungen: Informationen, die ein Benutzer über das Gerät empfangen kann, Einstellungen, die er aktiviert, so der Zugriff auf den GPS-Standort, die Kamera oder Fotos.
- Netzwerk und Verbindungen: Informationen wie der Name des Mobilfunkanbieters oder ISPs eines Benutzers, Sprache, Zeitzone, Handynummer, IP-Adresse, Verbindungsgeschwindigkeit und in einigen Fällen Informationen über andere Geräte, die in der Nähe oder im User-Netzwerk sind.
- Cookie-Daten: Daten von Cookies, die auf dem Gerät eines Nutzers gespeichert sind, einschliesslich Cookie-IDs und die Einstellungen.
Nicht aufgezeichnet oder analysiert würden Gespräche von Smartphone-Usern und es werde auch keine entsprechende Werbung ausgeliefert. Facebook habe nur Zugriff auf das Mikrophon mit Zustimmung eines Users zu Voice-Messaging-Services. Dasselbe gelte für die Kamera.
"Keine Backdoors"
Wie sieht es mit der Gesichtserkennung aus? "Facebook habe seine Gesichtserkennungs-Daten nicht geteilt und hat keine Pläne, diese zu teilen oder Dritten zugänglich zu machen. Darüber hinaus liefern diese Templates keine aussagekräftigen, für sich alleinstehende Informationen. Sie können eine Person nur in Verbindung mit Facebook-Software identifizieren." Reverse-Engineering sei ausgeschlossen.
Rund um das Thema Verschlüsselung: Nein, Facebook habe keinerlei Änderung an der Verschlüsselungstechnologie von WhatsApp vorgenommen. Und nein, Facebook habe keine Backdoors für die chinesische Regierung oder eine andere Behörde und nein, die Chinesen erhalten auch keine suchbaren Informationen, so der Konzern auf die Frage nach chinesischen Zugriffsmöglichkeiten.
Wo sind die Daten abgeblieben?
Keine Antwort erhielten die US-Volksvertreter darüber, ob es möglich sei, dass die Daten, welche Cambridge Analytica via eine Facebook-App erhielt, in Russland gespeichert sind. Die Nicht-Antwort bemerkt 'Business Insider'.
Unbeantwortet ist auch, welche weiteren datenabsaugenden Apps von Dritten aus dem Facebook-Datenparadies verbannt worden sind. Es seien etwa 200, antwortet der Konzern, aber nicht mehr.
Eine weitere präzise Frage in diesem Kontext: "Wird Facebook die Ergebnisse dieser Untersuchung veröffentlichen? Wenn nicht, warum nicht und werden Sie den Kongress benachrichtigen und die Ergebnisse vorlegen, wenn Sie fertig sind?" Facebook hat diese Frage nicht direkt beantwortet, sondern einfach gesagt: "Wo wir Beweise finden, dass diese oder andere Apps Daten missbraucht haben, werden wir sie von der Plattform verbannen und dies Usern mitteilen, die Daten mit der App geteilt haben oder hätten teilen können."
Auch weitere Fragen blieben unbeantwortet bislang. Warum Fragen nicht oder nur ganz allgemein beantwortet wurden, wollte 'Ars Technica' von Facebook wissen. Eine Antwort blieb aus. Der Konzern mit mehr als 25'000 Angestellten und einem Jahresgewinn von 15,9 Milliarden Dollar 2017 hat offenbar nicht genügend Ressourcen dafür: Facebook verteidigt sich damit, es seien 2000 Fragen gestellt worden. Einsendeschluss für die verbleibenden Antworten ist der 29. Juni. (Marcel Gamma)

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