Fast 90% der Schweizer ICT-Branche arbeitete im Homeoffice

30. September 2020 um 15:38
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Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht Zahlen zum Arbeitsmarkt im zweiten Quartal 2020. Die Zunahme von Heimarbeit ruft auch die Politik auf den Plan.

Trotz der per 11. Mai 2020 erfolgten Lockerung der Covid-19-Schutzmassnahmen seien auf dem Arbeitsmarkt die Auswirkungen der Pandemie im 2. Quartal deutlich spürbar, schreibt das Bundesamt für Statistik in einer Mitteilung. Im Vergleich zum Vorjahresquartal habe sich die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro erwerbstätige Person um 9,5% verringert.
Die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit habe bei den Frauen stärker als bei den Männern abgenommen (–11,3% gegenüber –8,4%). Bei den Selbstständigerwerbenden (–13,9%) sei dieser Rückgang ausgeprägter als bei den Arbeitnehmenden (–9,1%).
Am deutlichsten sei das Minus im Wirtschaftszweig "Gastgewerbe und Beherbergung" (–54,1%) ausgefallen, gefolgt von "Kunst, Unterhaltung, private Haushalte und sonstige Dienstleistungen" (–23,0%) sowie "Handel und Reparaturen" (–16,8%). Im Bereich "Informatik und Kommunikation" beträgt das Minus 6,4%.

ICT-Branche hat den grössten Anteil an Homeoffice

Stark zugenommen habe die Heimarbeit: "Im 2. Quartal 2020 leistete nahezu die Hälfte der Arbeitnehmenden (44,2%) zumindest gelegentlich Heimarbeit. Im 2. Quartal 2019 hatte dieser Anteil bei knapp einem Drittel gelegen", so das Bundesamt. Den grössten Anteil an Heimarbeit leistenden Arbeitnehmenden wies im 2. Quartal 2020 der Wirtschaftszweig "Information und Kommunikation" mit 87,3% auf. Dies entspricht einer Zunahme von 23,7% gegenüber dem Vorjahr.
Auch das Online-Netzwerk Xing hat eine Umfrage unter 479 Mitgliedern aus der Schweiz durchgeführt. Danach haben 73% der Befragten in den letzten Wochen im Homeoffice gearbeitet. Rund die Hälfte (54%) gab an, selbst in technisches Equipment investiert zu haben: die meisten davon (31%) in Headsets, Kopfhörer oder Webcams. Aber auch in neue Computer oder Laptops (8%) und bessere Internetverbindungen (9%) wurde investiert.

Zwei neue Interpellationen im Nationalrat

Im August hatten wir bei Politikerinnen und Politikern nachgefragt, ob die Zunahme von Homeoffice neue Regulierungen und Gesetze brauche. Der Trend zum Homeoffice wurde grundsätzlich von allen begrüsst. Neue politische Vorstösse hätten sie aber zum Thema keine geplant, meinten die meisten der Befragten damals.
Nun sind im Nationalrat aber bereits zwei neue Interpellationen mit dem Titel "Homeoffice" erfolgt. Greta Gysin (Grüne/TI) will vom Bundesrat unter anderem wissen, welche Massnahmen er treffe, "um die bestehenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen in Bezug auf Homeoffice und die aktuelle Situation (Vermehrte Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice) weiterzuentwickeln und zu ergänzen". Weiter wird der Bundesrat gefragt, ob er "konkrete Massnahmen vorsehe, um die mit dem Homeoffice verbundenen Risiken abzuwenden und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden zu verbessern?"
Corina Gredig (GLP/ZH) hat ebenfalls eine Interpellation eingereicht, die unter anderem von Franz Grüter (SVP/LU) und Edith Graf-Litscher (SP/TG) mitunterzeichnet wurde. Diese trägt den Titel "Positive Homeoffice-Anreize auch bei grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnissen – im Interesse von Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt". Darin schreibt die Nationalrätin, dass die bis vor der Covid-Krise geltenden Regelungen für Schweizer Unternehmen und Grenzgänger negative Homeoffice-Anreize setzen würden, da vermehrtes Homeoffice steuer- und sozialversicherungsrechtliche Folgen haben könnte.
Gredig fragt deshalb den Bundesrat, ob dieser "bei grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnissen Nachteile bzw. Risiken wie z.B. Rechtsunsicherheit, Schaden für den Wirtschaftsstandort Schweiz oder unnötigen administrativen Mehraufwand für Arbeitnehmende und -gebende" und Handlungsbedarf bei steuerrechtlichen Konsequenzen sehe. Und weiter, ob Bestrebungen bestehen würden, "betreffend der Zuständigkeit der Sozialversicherungen die heutige Grenze der 'wesentlichen Tätigkeit' von 25% der Arbeitszeit nach oben anzuheben".Update 1.10.: Der Artikel wurde um den Inhalt der Interpellation von Corina Gredig ergänzt.

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