Gever Bund nähert sich bald der Requirements-Phase

24. März 2020, 14:09
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Der Bund sucht für 140 Millionen Franken Hilfe bei den Requirements, den Systemarchitekturen und der Konfiguration des Acta-Nova-Gever.

Die heterogene Gever-Landschaft des Bundes wird im Rahmen des Grossvorhabens "Genova" vereinheitlicht. Dereinst sollen rund 40'000 Arbeitsplätze mit dem Produkt "Acta Nova" der österreichischen Firma Rubicon IT arbeiten.
In einem offenen Verfahren sucht der Bund, beziehungsweise das verantwortliche Departement für Bildung, Wirtschaft und Forschung mit seinem IT-Dienstleister ISCeco, Unterstützung von Fachleuten in den Bereichen Business-Analyse und Requirements. Das maximale optionale Beschaffungsvolumen beträgt 140 Millionen Franken über eine gesamte Vertragsdauer von acht Jahren hinweg; darunter fünf Jahre für den Grundauftrag, der Rest für die Optionen.
Maximal acht Firmen könnten den entsprechenden Zuschlag mit einem Rahmenvertrag und Fokus auf die Umsetzung und Konfiguration erhalten, heisst es in der Ausschreibung.
Angesichts der Grösse und der Komplexität des Projekts verlangt der Bund "für mindestens 80% der anfallenden Aufträge die signifikante Beteiligung von erhöhter Seniorität über alle Bereiche hinweg". Konkret heisst das Level "Senior" und "Expert" auf Basis der Definitionen in "Berufe der ICT" von SwissICT.
Viel Erfahrung gibt es zumindest in der Schweiz nicht mit Acta Nova. Das deutet sich auch in den Zuschlagskriterien an. Logischerweise muss man Gever-Erfahrung vorweisen können, was 51% der Gewichtung ausmachen wird. Aber immerhin 13% Gewichtung erhalten drei Kriterien mit direktem Acta-Nova-Bezug total (Projektreferenzen, Schulung, Partnerstatus). Subunternehmer sind zugelassen.
Das UVEK hatte kürzlich einen Acta-Nova-Zuschlag über rund zwei Millionen Franken (Grundauftrag) sowie weitere 37 Millionen (Optionen) an die Firma Rubicon erteilt. Der Grundauftrag, das E-Gov Back-Office – "Grundleistung inklusive Detailspezifikation" – sollte in diesen Tagen abgeschlossen werden, wenn tatsächlich alles laut Planung läuft. Rubicon hatte das einzige Angebot eingereicht.
Läuft alles wie geplant, sollen die nun gesuchten Fachleute im Q3 2020 ihren Job antreten.
Das "Informatikschlüsselprojekt" Genova ist schon seit Anbeginn in Verzug. 2013 vom Bundesrat in Auftrag gegeben, war 2015 der Zuschlag erfolgt, aber der unterlegene Hersteller Fabasoft hatte Beschwerde eingereicht. Dann zeigte Acta-Nova-Lieferant Atos laut einem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) Lieferschwierigkeiten. Dies nachdem Atos laut EFK den initialen Zuschlag mit einem "sehr kompetitiven Angebot" erhalten hatte.
Der Einführungstermin 2018 des ursprünglich mit 142-Millionen-Franken bezifferten Projekts – externe Kosten von 67 Millionen Franken und interne von maximal 75 Millionen – war seit einiger Zeit nicht mehr zu halten.
"Die Investitionskosten belaufen sich auf 142 Millionen Franken. Ihnen gegenüber stehen erwartete Einsparungen in der Höhe von rund 184 Millionen Franken in den nächsten zehn Jahren", hatte die EFK in ihrer Kontrolle im Q3 2017 noch notiert.
Im Q3 2020 beginnen nun die hier ausgeschriebenen, maximal 140 Millionen Franken kostenden Arbeiten "Business-Analyse Gever und Umsetzung": Analyse, Requirement Engineering und Lösungsdesign, Umsetzung und Implementierung/ Konfiguration, Wartung, Support und Weiterentwicklung sowie Dokumentation und Projektmitarbeit. Dies, um "die weitergehende Digitalisierung der Bundesverwaltung auf der Basis von Acta Nova weiterhin sicherstellen zu können", so die Ausschreibung.
Konkret lauten einige anstehenden Aufgaben: "Erfassen, Analysieren, Validieren, Konsolidieren, Kommunizieren und Dokumentieren der Bedürfnisse und Erwartungen von Auftraggebenden an das umgesetzte Geschäftsbedürfnis" oder "Ausarbeiten, Analysieren und Bewerten von Lösungsvarianten". Und des Weiteren "Erstellung von Gesamtarchitekturen (End to End)" sowie "Erstellung von Systemarchitekturen auf Grundlage funktionaler und nichtfunktionaler Anforderungen" und in wenigen Jahren schliesslich "Konfiguration in Acta Nova" und die nachfolgenden Dienstleistungen.

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