Berühren erwünscht: Microsoft Schweiz möchte das neue Windows und die passenden Tablets dem Schweizer Publikum mit einem zweitägigen Event im Zürcher Hauptbahnhof schmackhaft machen.
Es sei ein besonderer Tag, hielt Microsoft-Schweiz-Chefin Petra Jenner am Beginn der Medieninformation zu den "Zürich Device Days" fest. Das Unternehmen trete in eine neue Ära ein. Und auch wenn das Microsoft-eigene Tablet Surface in der Schweiz vorerst offiziell nicht zu haben ist (weitere Angaben in dieser Hinsicht waren den Referenten auch heute nicht zu entlocken), liegt die Schweiz punkto Windows-8-Launch an der Spitze: Zeitverschiebungsbedingt noch vor einer ähnlichen Veranstaltung in New York kann das Schweizer Publikum das neue Windows und auch die ersten 16 Windows-8-Geräte der vier OEM-Partner Asus, HP, Samsung und Sony in der grossen Halle des Zürcher Hauptbahnhofs heute und morgen in natura bewundern. Anfassen ist dabei ausdrücklich erlaubt.
Als "Pièce de Résistance" bewohnt ein 8 x 5 Meter grosser Bildschirm die Bahnhofshalle ("das grösste Tablet der Welt"). Darauf finden Windows-8-Kurzdemos statt, und die Besucher können "Win Pong" spielen, eine Neuauflage des allerersten Computergames Pong von 1972, und dabei mit Riesen-Pfeiltasten und einem ebenso riesigen Finger testen, ob die Touch- oder die Tastaturbedienung siegt.
Ob wirklich alle 300'000 Pendler, die den HB in diesen zwei Tagen frequentieren, auch an Windows 8 interessiert sind, sei dahingestellt. Kurz vor Mittag erfreute sich das 300 Quadratmeter grosse Standareal jedenfalls schon einiger Beachtung.
Microsoft sieht App-Chancen
Apple hat es am Dienstag bei der Vorstellung des iPad Mini wieder einmal betont: Während bereits 275'000 speziell aufs iPad zugeschnittene Apps existieren, gibt es für Android nach wie vor nur eine beschränkte Zahl von Tablet-gängigen Apps. Microsoft wiederum startet mit Windows 8 überhaupt erst jetzt in den Tablet-Markt. Der Erfolg der Windows-basierten Tablets steht und fällt indes mit den Anwendungen.
Für Christof Zogg, Director Developer and Platform Group bei Microsoft Schweiz, sprechen fünf Argumente dafür, dass Microsoft für die Aufholjagd in Sachen Tablet-Apps durchaus gut positioniert ist: Windows-8-Apps böten dem Anwender dank systemweitem Daten-Sharing, Split-Screen-Fähigkeit und anderen technischen Finessen mehr als Apps auf anderen Plattformen. Das Potential für Entwickler sei mit einer installierten Schweizer Windows-Basis von 7 Millionen PCs im Vergleich zu 380'000 iPads geradezu riesig. Allein hierzulande gebe es zudem über 20'000 Entwickler, die dank vorhandenen C#- oder HTML5-Skills bestens für die Entwicklung von Touch-Apps für Windows 8 prädestiniert seien. Visual Studio gelte ausserdem sowieso als führende Entwicklungsumgebung, mit der man sehr bequem programmieren könne. Und zu guter Letzt ermögliche Windows 8 neben Consumer-orientierten Apps dank solider Windows-Basis auch Business-Anwendungen, die den Sicherheitsanforderungen der Unternehmen von Haus aus genügten.
Windows-8-Apps aus der Schweiz
Zum heutigen Start von Windows 8 finden sich im Windows-Store denn auch bereits über 100 Apps von Schweizer Entwicklern, darunter Local.ch, Search.ch oder etwa die Auktions-App von Ricardo, der "Blick", eine Teletext-App, der Swiss Snow Report mit Schneeberichten von 250 Wintersportorten, Energy Radio mit den Radioangebot von Energy Basel, Bern und Zürich sowie 20 Spartenkanälen, Börsenkurse von Swissquote und das Game Farming Simulator.
Zu diesen Apps für die breite Masse kommen Geschäftsanwendungen wie etwa Apps für den Zugriff auf das SaaS-basierte Supply-Chain- und Warehouse-Managementsystem ix4 oder auf das CRM-System Evidence. Das ist zwar noch nicht die Masse, aber ein guter Start.
Ein von iOS und Android her bekannter Renner, der noch fehlt, ist die SBB-App. Diese soll aber baldmöglichst folgen, ebenso Apps von Zattoo, Meteonews und anderen bekannten Playern. Auch international ist noch nicht alles verfügbar, was man eigentlich erwartet. So gibt es zwar einen Twitter-Client, die Facebook-App für Windows 8 lässt aber noch auf sich warten. (Urs Binder)