Huawei: "Wir sind nicht billig"

13. Juni 2012, 11:49
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Der Shenzhener IT- und Telekomequipment-Hersteller Huawei will sein Image als Billiganbieter loswerden und verweist auf die hohen Investitionen für Forschung und Entwicklung. Und: Auch Huawei lanciert integrierte Systeme.

Im Gespräch mit Schweizer Journalisten in Shenzhen: Huawei-Manager David He und Catherine Du. (Foto: Maurizio Minetti).
Ada Xu arbeitet für den grossen chinesischen Telekomausrüster, Server-, Storage- und Mobilgerätehersteller Huawei, genau genommen für Huawei Device. Sie ist für die Kommunikationsarbeit im relativ neuen Business mit Smartphones und Tablets zuständig und möchte an diesem schwül-warmen Abend in Shenzhen von den anwesenden Schweizer Journalisten wissen - nein, nicht ob wir Hunde essen - sondern, ob denn noch Fragen offen seien bezüglich des Mobile-Devices-Sortiment von Huawei.
Integrierte Systeme
Die Fragen sind bekannt und die Antwort auch: Wann gelangen die neuen, grossen, Android-betriebenen Smartphones von Huawei endlich in die Schweiz? "Im Sommer." Global will Huawei bis 2015 unter den drei grössten Android-Anbietern aufgestellt sein. Doch eigentlich spielt dieses Business für Huawei eine untergeordnete Rolle. Hauptumsatztreiber bleibt das Geschäft mit Telekomausrüstungen für Provider, etwa für Swisscom und Sunrise. Darüber hinaus ist Huawei letztes Jahr im grossen Stil in den Markt für Unternehmenslösungen eingestiegen. Damit sind nicht nur Router und Switches, sondern auch Server und Storagesysteme gemeint, oder auch Konferenzlösungen und Überwachungsanlagen. Das nächste grosse Ding wird im September lanciert und dürfte 2013 auf den Markt kommen: Integrierte Systeme, wie man sie etwa von Oracle oder IBM kennt. Computing, Storage, Netzwerkkomponenten und Servervirtualisierung. Alles mehr oder weniger von Huawei.
Mehr oder weniger? Die Huawei-Managerin Catherine Du (Foto rechts) erklärt: "Wir kooperieren mit Citrix, entwickeln aber eigene Komponenten hinzu." Ausserdem laufen die Server mit Intel-CPUs. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, denn Huawei designt auch eigene Chipsätze, lässt sie aber von Drittherstellern produzieren.
Nicht billiger
David He (Foto links), Marketingchef der Enterprise Business Group, weist auf jene "Coopetition" hin, die in der IT-Industrie gang und gäbe ist: Partnerfirmen sind zugleich Konkurrenten. Und so ist Oracle, dessen Exadata-Maschinen Huawei konkurrenzieren will, zugleich ein Partner von Huawei in einem anderen Bereich. Huawei will mit dem im September in Shanghai geplanten Launch neuer Produkte aber nicht nur Oracle nervös machen, sondern so ziemlich alle Anbieter von IT-Infrastrukturen. So kündigt Huawei auch High-end-Storage, VDI-Appliances (Virtual Desktop Infrastructure) sowie neue Data-Center-Lösungen an. Das Ziel ist klar: Möglichst bald damit auch auf den europäischen Markt gehen.
Umsatz schnell mal vervierfachen
Auf die Frage von inside-it.ch, welches konkrete Ziel Huawei im Enterprise-Business im Auge habe, sagt He: "Wir wollen bis 2015 abgeschlossene Verkaufsverträge im Wert von 15 Milliarden US-Dollar in der Tasche haben." Huawei würde damit die 3,8 Milliarden Dollar Umsatz vom ersten Jahr des Bestehens der Enterprise-Sparte vervierfachen. Warum sollte dies gelingen, warum sollten Kunden Lösungen von Huawei statt von Oracle, IBM oder EMC kaufen? David He meint, dass Huawei viel mehr als die anderen in Forschung und Entwicklung investiere und daher innovativer sei. Und die Kunden würden darauf achten. Fast die Hälfte der weltweit 140'000 Huawei-Angestellten ist in der Forschung und Entwicklung tätig - rund zwei Dutzend Forschungszentren betreibt das Unternehmen weltweit, das grösste davon in Shenzhen. Huawei scheint sich die Innovation also auf die Fahne geschrieben zu haben, allen Kritiken zum Trotz. Kann man aber darüber hinaus auch erwarten, dass Huawei viel billiger als die etablierten Anbieter sein wird? He: "Wir sind nicht billiger, wir sind kosteneffizienter." (Maurizio Minetti, Shenzhen)
(Interessenbindung: Die Reise nach und der Aufenthalt in China wurden von Huawei finanziert.)

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