Informatikschule Ecole 42 startet ersten Lehrgang

12. Oktober 2021, 12:14
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182 Studierende erhalten in Lausanne Gratis-Unterricht mit neuen Lernmethoden. Bald soll ein zweiter Schweizer Standort dazu kommen.

21 Monate hat es seit der offiziellen Lancierung gedauert – jetzt hat die private Informatikschule Ecole 42 in Renens nahe Lausanne am 11. Oktober ihren ersten Schweizer Campus für Studierende eröffnet. Ecole 42 wurde 2013 in Paris gestartet und von Salt-Besitzer Xavier Niel zusammen mit Partnern gegründet. Mittlerweile ist die Organisation in 22 Ländern präsent.
"Sans cours ni professeur" ("ohne Unterricht oder Professor") ist das Motto der Ecole 42. Die Ausbildung ist von neuen Lernmethoden inspiriert, die auf gemeinsames Lernen und den Austausch zwischen den Studierenden setzen. Ziel sei es, ihnen zu helfen, "ihre Fähigkeiten zu entwickeln, indem sie ihre Ideen suchen, ausprobieren und verteidigen". Sie werden zusätzlich von einem pädagogischen Team betreut.
Vor dem Start des ersten Studienjahres mussten Interessierte zuerst einen Online-Test absolvieren. Laut Ecole 42 nahmen daran 2300 Personen teil, 700 bestanden ihn. Davon absolvierten im Anschluss 360 Frauen und Männer in 3 Gruppen ein sogenanntes "piscine". Diese "Schwimmbäder" dienten einer Vorselektion. Jeweils einen Monat lang mussten die Gruppen intensiv lernen, Programmier-Aufgaben lösen und Einzelprüfungen absolvieren. 182 Personen wurden danach an die Schule aufgenommen.

Die Schule steht allen offen

"Diese Erfolgsquote von 50 % ist etwas höher, als wir erwartet hatten", erklärte Christophe Wagnière, Direktor des Schweizer Ablegers der Ecole 42. Das habe auch damit zu tun, dass jeder 5. Bewerber bereits über IT-Erfahrungen verfügte. Grundsätzlich aber steht die Schule allen Interessierten offen, unabhängig von Ausbildung und Alter.
Die Studierenden in Lausanne sind im Durchschnitt 28 Jahre alt, 19% davon sind Frauen. Nach eigenen Angaben haben von den Teilnehmenden des ersten Studiengangs 17% bereits professionelle Programmiererfahrung, 39% haben noch nie programmiert und 44% "ein bisschen".
Das Programm an der Ecole 42 dauert zwei bis fünf Jahre und beinhaltet ein Praktikum. Der Schwerpunkt liege auf Code, aber auch Systemadministration, Security und Projektmanagement sollen vermittelt und Soft Skills geschult werden. "Die Ausbildung ermöglicht den Zugang zu IT-Berufen im weitesten Sinne", sagte Wagnière gegenüber 'Keystone-ATS'. "Das kann die Erstellung von Videospielen, das Infrastrukturmanagement, die Anwendungsentwicklung oder auch die Gründung von Startups sein."

10 Millionen für Standort Zürich gesucht

Die Ausbildung ist kostenlos. Für die ersten fünf Jahre hat die Ecole 42 Lausanne ein Budget von 7 Millionen Franken. Ein Grossteil davon (bis jetzt 6,45 Millionen) wird von Sponsoren und Unterstützern wie Romande Energie, Swisscom, Qoqa und IT-Unternehmen wie Open Web Technology oder Infomaniak aufgebracht. Jetzt werden noch rund hundert "Patinnen und Paten" gesucht, die bereit sind, die jährlichen Kosten eines Studierenden von 3500 Franken zu finanzieren.
Die Ecole 42 hat aber bereits neue Pläne: Das Interesse am ersten Studiengang in der Romandie habe "die Notwendigkeit bestätigt, den Personalmangel in der IT-Entwicklung lokal zu beheben", so Alessandro Rui, einer der Mitbegründer von Ecole 42 Lausanne. Das Team sucht weitere 10 Millionen Franken. Damit soll das Budget einer zweiten Schweizer Ecole 42 gedeckt werden, die im Kanton Zürich entstehen soll.

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