Jedes Unternehmen ein kleiner Big Brother?

23. Januar 2006, 08:54
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Gibt der US-Start-up Tello den Startschuss in die Zukunft der Internet-Kommunikation?

Gibt der US-Start-up Tello den Startschuss in die Zukunft der Internet-Kommunikation?
"Bei Voice-over-IP", so meinte Jeff Pulver, einer der Mitgründer des kalifornischen Start-ups Tello im Gespräch mit US-Medien, "geht es nicht nur um billige Gespräche." Die Zukunft, so Pulver, liege vielmehr darin, durch die Möglichkeiten des IP-Protokolls verschiedene Kommunikationswege – Handy, normales Telefon, Instant Messaging, SMS, E-Mail, Kollaborationstools usw. – miteinander zu verbinden und darauf aufbauend zusätzliche Dienstleistungen anzubieten. Die wichtigste davon, glaubt er, wird "Presence" sein: "'Presence' ist ein 25 Milliarden-Dollar-Markt, den wir einfach noch nicht richtig beschreiben können." Mit "Presence" sind Funktionen in einem Kommunikationsservice gemeint, mit denen man eine Person lokalisieren und herausfinden kann, ob und auf welchem Weg man sie gerade am besten erreichen kann.
Bei Tello sind einige Veteranen aus dem IT- und Telekommunikationsbereich als Mitgründer dabei, in unseren Breitengraden am Bekanntesten ist vielleicht der frühere Apple-CEO John Sculley.
Einen solchen "Presence"-Service hat Tello nun gestartet. Die eigentliche Lokalisation ist allerdings darin noch nicht enthalten. Über den Service, den man von PCs, Notebooks und mobilen Geräten aus nützen kann, kann man aber in einem Client die eigene momentane Erreichbarkeit eingeben, abchecken, auf welchem Weg andere Tello-User gerade am Besten erreichbar sind und die entsprechenden Applikationen starten. In der "Enterprise"-Version können PCs, VoIP-Telefone, Handys, sowie verschiedene Instant Messaging-Netzwerke und Web-Kollaborationstools eingebunden werden (Der eigentliche Client funktioniert momentan erst auf PCs und BlackBerrys. Weitere Mobilgeräte sollen aber bald folgen.)
Anstoss bei Datenschützern dürfte vor allem die Funktion in Tello erregen, durch die man nachsehen kann, wann und auf welchem Weg ein anderer zuletzt kommuniziert hat. Gemäss Tello kann diese Funktion aber von den Usern selbst abgeschaltet werden.
Zukünftig allerdings wird man "Presence"-Services wie Tello wohl auch mit echten Lokalisierungsfunktionen, zum Beispiel in einem Unternehmen über WLAN-Lokalisation verbinden können.
Als Kunden für seinen "Enterprise"-Service, der 30 Dollar pro User und Jahr kostet, sieht Tello allerdings keineswegs Unternehmen an, die ihre Mitarbeiter überwachen wollen. Auf Nachfrage hofft der Start-up momentan vor allem bei Unternehmen, bei denen Mitarbeiter oft eng und regelmässig mit Leuten ausserhalb des Unternehmens zusammenarbeiten müssen. Speziell bei solchen unternehmensübergreifenden Arbeitsgruppen, so glaubt Tello, könnte der neue Service die Zusammenarbeit erleichtern und effizienter gestalten. (Hans Jörg Maron)

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