"Klickbetrug" kostet Google 90 Millionen Dollar

9. März 2006, 12:44
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Google hat zugestimmt, etwa 90 Millionen Dollar zu zahlen, um einen Prozess beizulegen, bei dem es um die Verrechnung seiner Online-Werbeangebote ging.

Google hat zugestimmt, etwa 90 Millionen Dollar zu zahlen, um einen Prozess beizulegen, bei dem es um die Verrechnung seiner Online-Werbeangebote ging. Google bezahlt die Gerichtskosten der Kläger, der Rest der Summe wird als Guthaben für zukünftige Werbung ausbezahlt. Insbesondere wurde bei dem Prozess das Thema "Klickbetrug" thematisiert, ein weit verbreitetes Problem bei Online-Werbung, wenn sie pro Klick abgerechnet wird.
In der Sammelklage wird aber nicht nur Google beschuldigt: Sie richtet sich auch gegen Yahoo, America Online, Ask Jeeves, Lycos, LookSmart und FindWhat.com. Nachdem Google einem Vergleich zugestimmt hat, dürfte der Druck auf die weiteren Beklagten steigen, ähnliches zu tun.
Google-Ads und viele andere Formen von Online-Werbung werden heute oft danach verrechnet, wie häufig sie von Surfern angeklickt werden. Klickbetrug liegt dann vor, wenn Sitebetreiber bei ihnen laufende Werbungen anklicken (lassen), um ihre Einnahmen zu steigern. Noch häufiger ist allerdings die Form des Klickbetrugs, bei der Konkurrenten auf Werbung klicken, um die Kosten für das Unternehmen, das die Werbung geschaltet hat, in die Höhe zu treiben. In beiden Fällen zahlen Werbetreibende für völlig wertlose Klicks. Das Anklicken der Werbungen kann dabei automatisiert über spezielle Software erfolgen, da die Preise pro Klick oft recht hoch sind, kann aber auch schon manueller Klickbetrug einen substantiellen Schaden verursachen.
Bei der Sammelklage, die Google nun für sich beigelegt hat, wurde Google und anderen Internetunternehmen vorgeworfen, sie hätten Klicks verrechnet, obwohl sie darüber Bescheid wussten, dass diese aus Klickbetrug stammten. Die meisten Anbieter von Online-Werbungen haben automatisierte Systeme im Einsatz, die eigentlich Klickbetrug erkennen sollten (Zum Beispiel einfach dadurch, dass immer wieder die gleiche IP-Adresse auftaucht.)
Für die Anbieter gibt es dabei aber zwei heikle Punkte. Wenn sie den Kunden regelmässig Klicks "erlassen", stossen sie diese mit der Nase darauf, wie verbreitet das Problem ist. (Gemäss einigen Schätzungen von Experten sollen in den USA rund ein Fünftel aller Klicks aus Klickbetrug resultieren.) Und andererseits liegt es auch nicht im Interesse der Anbieter, dass die Methoden, mit denen sie Betrug erkennen wollen, in die Öffentlichkeit dringen. Durch den Vergleich musste Google keinerlei Schuld zugeben und auch keine Details über seine Methoden nennen oder seine eigenen Schätzungen über das Ausmass des Betrugs bekannt geben. (hjm)

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