KMU-Stiefkind Unternehmens­strategie

23. August 2021, 11:46
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Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele KMU keine formulierte Digital-Strategie haben und nur die Hälfte zumindest jährliche Marktanalysen durchführt.

Ein Forschungsprojekt unter der Federführung der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sowie dem Strategylab hat die Strategieentwicklung im digitalen Zeitalter unter die Lupe genommen. Die daraus entstandene Publikation bietet zudem einen Praxisleitfaden mit vielen Checklisten und Strategievorlagen für die eigene digitale Transformation.
Die in der Studie "Strategieentwicklung im digitalen Zeitalter" zusammengefassten Forschungsresultate, "bestätigen die Annahme, dass die wenigsten Schweizer KMU (dafür mehr Grossunternehmen) über eine digitale Strategie verfügen", schreibt der Leiter des FHNW-Kompetenzzentrums Digitale Transformation Marc K. Peter. Nur die Hälfte der KMU habe eine formulierte Strategie, welche die digitale Stossrichtung (als Bestandteil der Unternehmensstrategie oder separat) für die nächsten Jahre festhält. "Dieser Wert ist in einem wettbewerbsintensiven, von neuen Technologien getriebenen und globalen Umfeld zu niedrig". Ausserdem führe nur die Hälfte der Schweizer KMU mindestens einmal jährlich eine Marktanalyse durch, ein Viertel sogar nie, so der Professor weiter.
Es gebe zwar viele Gründe, ohne digitale Strategie zu geschäften und kaum (24%) bis nie (24%) den eigenen Markt zu analysieren, "aber betriebswirtschaftlich sinnvoll ist das Auslassen dieser Managementaufgaben nicht", mahnt Peter.
Beteiligt haben sich an der Schweizer Studie 1800 Teilnehmer. Von ihnen gaben 52% an, mindestens einmal pro Jahr eine Marktanalyse durchzuführen. Über eine digitale Strategie verfügt laut der Befragung genau die Hälfte der hiesigen KMU, wobei 7% sie separat und 43% als Bestandteil der Unternehmens- oder IT-Strategien formuliert haben.
Als weitere wichtige Erkenntnis wird genannt, dass 56% der KMU ihre Unternehmensstrategien aufgrund der digitalen Transformation weiter anpassen müssen. Zudem seien 44% mit ihrem Digitalisierungsfortschritt nicht zufrieden. Ausserdem habe bei 45% die Corona-Krise Einfluss auf die Unternehmensstrategie gehabt und 44% mussten ihre Markt- respektive Marketingpositionierung teilweise oder vollständig anpassen, wie es in einer Mitteilung heisst. Laut Peter demonstrieren alle gesammelten Zahlen die Notwendigkeit nach strategischen Diskussionen, Ideen und Plänen.
Wie solche eine Diskussion aussehen kann, hat das Projektteam ebenfalls gezeigt. So ist auf der Grundlage der Studienresultate ein kostenloser Praxisleitfaden mit einem Strategieprozess und einem Strategiecheck für das digitale Zeitalter entwickelt worden. Dieser basiere auf der ACT-Methode (Analyse, Create, Transform), heisst es in der Mitteilung weiter, und sei vom "Strategylab mit vielen Fallstudien, Checklisten, einem Workshop-Canvas und Vorlagen für die Strategiearbeit in Unternehmen" ergänzt worden.

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